IHK: Unterschiede zwischen klassischen Männer- und Frauenberufen schwinden
Das Berufsausbildungsverzeichnis der IHK für Rheinhessen spiegelt die landes- und bundesweit herrschenden Zahlenverhältnisse tendenziell auch auf regionaler Ebene wider. Im Ausbildungsjahr 2005 war die Minderheit (42,8 Prozent) der 5572 rheinhessischen Auszubildenden in den IHK-Berufen weiblich. In Rheinland-Pfalz waren 39 Prozent der 36.798 Auszubildenden weiblich, für das Bundesgebiet betrug der Prozentsatz 39,8 Prozent. Während in Rheinhessen in den in kaufmännischen IHK-Berufen die weiblichen Azubis mit einem Anteil von 57,8 Prozent (2270 von 3923 Azubis) überwogen, stellten die Mädchen in den gewerblich-technischen Berufen nur 15,8 Prozent (266 von 1686 Azubis) der Lehrlinge.
In Rheinhessen herrscht auffallend geringes Interesse bei Mädchen, sich in den IHK-Berufen ausbilden zu lassen, die gemeinhin als typische „Männerberufe“ gelten. IHK-Präsident Dr. Harald Augter spricht sogar von einer „erschreckend geringen Quote“. In den drei Berufsfeldern Elektroniker, Mechaniker und Mechatroniker beträgt der Anteil von Mädchen an den Azubis gerade einmal 1,6 Prozent in der Region. So waren etwa im vorigen Jahr unter den 321 Azubis in den Elektroberufen 4 weibliche Auszubildende, unter den 471 Metalltechnikern 10 Mädchen. Nur 4 Mädchen lernten den Beruf der Industriemechanikerin und eine Auszubildende interessierte sich für den Beruf Mechatronikerin.
„Für die Berufe in der Metall- und Elektrobranche ist Körperkraft schon lange keine Einstellungsvoraussetzung mehr – jedenfalls keine ausschließliche“, schilderte Augter.
Zunehmend werden EDV-Kenntnisse und Findigkeit bei der Erkennung und Lösung technischer Fragestellung verlangt. Dass dies durchaus „Frauensache“ sein könne, beweisen immer wieder Mädchen, die ihre Prüfung als Jahrgangsbeste abschließen. Zuletzt war dies 2004 Melanie Will gelungen, die bei der Heidelberg Cement AG zur Prozessleitelektronikerin ausgebildet worden war und mit der Note Eins bestanden hatte.
Dass auch die Industrieproduktion insgesamt keine unangefochtene Männerdomäne mehr ist, belegen nach Auskunft von IHK-Hauptgeschäftsführer Richard Patzke die Ausbildungszahlen aus den naturwissenschaftlichen Berufen sowie dem Medienbereich. Patzke sagte: „Wo Chemie, Physik oder Biologie gefragt sind oder im Printbereich der Medienwirtschaft – dort sind immerhin schon ein Drittel der Auszubildenden Mädchen.“
2001 wurde der Girls' Day ins Leben gerufen, um Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 neugierig auf technische und naturwissenschaftliche Berufe zu machen, da Mädchen erfahrungsgemäß diese Berufe nur selten für ihre Ausbildung in Betracht ziehen. Die Unternehmen können den Girls’ Day nutzen, um darzustellen, dass in der Arbeitswelt die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenberufen schwinden. Dies ist angesichts eines mittelfristig drohenden Nachwuchsmangels gerade in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen dringend notwendig. Die Aktionspartner des Girls’ Day sind neben den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Initiative D21, der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie die Bundesanstalt für Arbeit.
Quelle: Pressemeldung IHK für Rheinhessen
27.04.2006
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