So werde der Nahverkehr als Standortfaktor zumeist unterschätzt, weiß der diplomierte Bauingenieur. 150.000 Fahrgäste zählt die MGV, seit 2001 eigenständige GmbH im Eigentum der Stadtwerke Mainz AG, an einem Tag. "Man muss lange suchen, bis man ein Unternehmen findet, das für so viele Menschen wichtig ist", sagt Erlhof. Im Irrtum sei auch zu denken, nur Schüler, Azubis, Studenten oder Berufspendler nutzten Busse und Bahnen. "Das sind nur etwa 50 Prozent, die andere Hälfte kauft ein oder fährt zu Freizeitaktivitäten", so der 44-Jährige.
Existentiell wichtig für eine Stadt wie Mainz mit einer Verkehrsfläche von nur 20 Prozent sei der öffentliche Nahverkehr. Bei Großveranstaltungen zum Beispiel ginge ohne ihn gar nichts mehr. Allein am Höfchen steigen 25.000 Menschen täglich ein und aus, vorwiegend zum Einkaufen in der City. Würden diese Fahrgäste alle mit dem Auto kommen, wären das zirka 10.000 Pkws, dafür bräuchte man 2500 bis 3000 Parkplätze zusätzlich, stellt Erlhof eine einleuchtende Rechnung auf. Die hervorragende Erschließung sei zudem einer der gravierenden Standortvorteile der Innenstadt. Einzig von Ebersheim kommend müsse man ein Mal umsteigen.
Auch als Arbeitgeber tut sich die MVG als Wirtschaftsfaktor hervor. Ungefähr 500 Mitarbeiter beschäftigt sie, mit der Tochter City-Bus Mainz (CBM) und einem weiteren Subunternehmer sind es sogar 650 Leute, die für den Nahverkehr in der Stadt beschäftigt sind. Zählt man ORN und DB noch dazu, sind es fast 1000 Arbeitsplätze, die auch nicht verlegbar sind. "Autos kann man auf der ganzen Welt zusammenschrauben, in Sindelfingen oder Südafrika, der Nahverkehr ist ortsgebunden".
Gut die Hälfte der Investitionen gehen in Fahrzeuge, die anderen 50 Prozent werden für die Infrastruktur verwendet: Busspuren, Gleisunterhaltung, Haltestellen. Wie jüngst beim zweigleisigen Ausbau der Gaustraße. Auch mit den Investitionen würden Arbeitsplätze gesichert, so Erlhof, zumal die kaum konjunkturabhängigen Schwankungen unterlegen seien, anders als bei vielen Investitionen der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft.
"Wir investieren, wenn es nötig ist und zwar fünf bis acht Millionen Euro im Jahr". Der Verkehrsverbund Mainz-Wiesbaden feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Vorteile liegen für den Nutzer auf der Hand: "Ein Fahrschein, ein Fahrpreis von Zornheim bis Naurod", sagt Jochen Erlhof, Geschäftsführer seit fast drei Jahren und gemeinsam mit seinem Kollegen in der Geschäftsführung Gunter Rebahl Herr über 113 Busse und 29 Straßenbahnen.
Seit zehn Jahren ist Mainz auch im RMV, hat den RNN seit ´99 als Kooperationspartner. Das Geschäft versteht der sympathische Familienvater wie kaum ein anderer, hat der gebürtige Mainzer doch nach dem Bauingenieur-Studium mit Schwerpunkt auf Umwelt, Raumplanung und Verkehr bis 1996 schon fachbezogen im Bereich Verkehrsplanung und Verkehrstechnik gearbeitet, war danach bis 2002 Leiter des Amtes für Verkehrswesen der Stadt Mainz.
Lag Ende der 90er das Unternehmensdefizit noch bei 30 Millionen Euro und der Kostendeckungsgrad unter 50 Prozent, können Erlhof und Rebahl für 2004 schon von einem Defizit unter 18 Millionen und einem Kostendeckungsgrad von etwa 70 Prozent sprechen. "Damit haben wir das Ziel, das uns für 2005 gesetzt wurde , bereits im letzten Jahr nicht nur erreicht, sondern sogar übererfüllt".
Ein Faktor für den Erfolg war die Fahrplanumstellung im Jahr 2000, die eine Kostenreduzierung brachte, ohne das Angebot zu verschlechtern. Erlhof weiß: "Wichtig bei allen Sparmaßnahmen war, dass das gesamte Unternehmen mitzog – auch unsere Mutter Stadtwerke Mainz AG und die Stadt."