Trotz Krisenjahr weniger Langzeitarbeitslose: Job-Center Mainz zieht positive Bilanz
Im Dezember 2009 waren 4.199 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosengeld II beziehen. Dies waren 24 Personen oder 0,57 Prozent mehr als im Vorjahr. "Es ist ermutigend, dass wir ausgerechnet bei den Langzeitarbeitslosen aufgrund der von uns eingeleiteten Maßnahmen Erfolge erzielt haben. Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen im Alter über 25 Jahre hat sich trotz Wirtschaftskrise im Vergleich zum Vorjahr um 180 Personen bzw. 10,2 Prozent verringert", bilanziert Kehrein.
Natürlich habe die Wirtschaftskrise auch Spuren hinterlassen, so Kehrein weiter. Insgesamt sei die Anzahl der Menschen, die auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind, von Dezember 2008 bis Dezember 2009 um 447 Personen oder 3,3 Prozent angestiegen. Darunter befinden sich, laut Kehrein, immer mehr Familienangehörige von größeren Haushaltsgemeinschaften. Die Anzahl von Bedarfsgemeinschaften mit ein oder zwei Personen habe abgenommen, während die Anzahl mit drei bis fünf Mitgliedern zunehme.
Die vergleichsweise günstige Entwicklung der Arbeitslosenzahlen führt Kehrein zu einem nicht geringen Teil auf den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente zurück. "Insgesamt 5.583 Menschen haben wir im Jahresverlauf 2009 innerhalb unterschiedlicher Maßnahmen gefördert", erklärt der Geschäftsführer des Job-Centers Mainz. Zu diesen Maßnahmen zählen unter anderem Angebote der Fort-und Weiterbildung (634 Personen) sowie Maßnahmen der Aktivierung und beruflichen Eingliederung (Bewerbungstrainings, Praktika usw. mit 2333 Personen).
Im Jahr 2010 will das Job-Center bei den Maßnahmen für Langzeitarbeitslose besondere Schwerpunkte bei Alleinerziehenden, Geringqualifizierten und ältere Arbeitslosen ab 55 setzen. Die Betreuung von Menschen, die bereits seit Jahren arbeitslos sind, sei besonders schwierig, da deren persönliche Probleme mit der Zeit zunehmen, berichtet Kehrein. "Bei rund 67 Prozent unserer Kunden stehen persönliche Problemlagen wie ungelöste Fragen der Kinderbetreuung, Überschuldung, gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Berufsausbildung oder Sprachprobleme einer Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ernsthaft entgegen", so Kehrein. "Hier müssen wir zunächst intensiv an der Lösung dieser Probleme arbeiten." S
o habe das Job-Center im Jahr 2009 beispielsweise für 560 Personen die Kosten für eine qualifizierte Schuldnerberatung übernommen.
Einen wesentlichen Erfolgsfaktor der so genannten Hartz-Reformen ab 2004 sieht JA-Geschäftsführer Kehrein in der Tatsache, dass mittels des Prinzips des "Forderns und Förderns" erstmals die individuellen Vermittlungshemmnisse der Leistungsbezieher erfasst und neben Eingliederungsmaßnahmen auch Hilfen zur Beseitigung dieser Hemmnisse angeboten würden. So fällt in Mainz auch die Bilanz der letzten fünf Jahre positiv aus. Im Vergleich zum Jahr 2005 ging die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II von 5.614 Personen auf aktuell 4.199 Personen oder um rund 25 Prozent zurück. Die Anzahl Langzeitarbeitsloser verringerte sich vom Dezember 2005 bis Dezember 2009 von 2.166 auf 1.587 Personen. Dies entspricht einem Rückgang von 26,7 Prozent.
"Ohne die wesentlich intensivere Betreuung von Arbeitslosen ab dem Jahre 2005 wären diese Erfolge nicht möglich gewesen", ist sich Kehrein sicher. Für viele Menschen sei damit die Armutsspirale durchbrochen worden.
Kurt Merkator, Sozialdezernent der Stadt Mainz, hob die Notwendigkeit einer breiten Fächerung der Unterstützungsangebote für Langzeitarbeitslose hervor. In Mainz seien mit der Gründung der SPAZ gGmbH bereits seit Ende der neunziger Jahre wichtige Angebote aufgebaut worden. Heute biete die SPAZ eine breite Palette von Maßnahmen, angefangen von der Information, Qualifizierung und Betreuung von Jugendlichen im Rahmen von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen über Hilfen für Auszubildende bis hin zu Erstausbildungen.
Für Langzeitarbeitslose stellt die SPAZ Maßnahmen der Qualifizierung, Beschäftigung und Erstausbildung in eigenen Betrieben (Elektro-und Holzwerkstatt, Änderungsschneiderei etc.) zur Verfügung. "Besonders wichtig sind dabei Hilfen für allein erziehende Frauen", erklärt Merkator. Die SPAZ habe mit "TafF" (Teilzeitausbildung für Frauen mit Kindern) ein Angebot geschaffen, bei dem Frauen mit gezielter Unterstützung eine Berufsausbildung in Teilzeit absolvieren können. 2009 befanden sich 36 Frauen bereits in Ausbildung und weitere 122 wurden beruflich betreut und durch gezielte Maßnahmen (z.B. EDV) qualifiziert. "Wir versuchen, die Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirksam zu unterstützen", so der Sozialdezernent.
Als weitere erfolgreiche Maßnahme nannte Merkator das Projekt "Z@CK" des Caritsverbandes. Im Rahmen des Projekts habe man in den vergangenen zehn Jahren rund 800 Langzeitarbeitslosen eine Beschäftigung und Qualifizierung anbieten und dabei 2.200 gebrauchte und reparierte Computer an Schulen und Kindertagesstätten ausliefern können. Darüber hinaus biete der Caritasverband im Auftrag des Jobcenters eine Energieberatung für einkommensschwache Haushalte an. Arbeitssuchende werden hier zu "Stromspar-Coaches" qualifiziert und haben im vergangenen Jahr bereits 251 Haushalte beraten.
Hoch verschuldete Arbeitlose hätten es bei der Stellensuche oft besonders schwer, da drohende Lohnpfändungen zukünftige Arbeitgeber abschreckten, berichtete Merkator. Um dies zu verhindern, betreibt die SPAZ gGmbH eine Schuldnerberatungsstelle, in der im vergangenen Geschäftsjahr 507 Personen eine Mehrfach-und weitere 300 eine Kurzberatung durchlaufen haben.
Abgerundet werde das Beratungsangebot für Arbeitslose vom Bildungs-und Bewerbungstreff (BBT) des Trägervereins "Lernen und Fördern". Hier erhalten arbeitslose Menschen mit fachkundiger Unterstützung Bewerbungshilfen. Dazu stehen zahlreiche PCs zur Verfügung. Seit Eröffnung des BBT im September 2008 haben 750 Betroffene das Hilfsangebot in Anspruch genommen. "Der Erfolg der Arbeit", so Merkator, "kann sich sehen lassen: Bei 4.300 Terminen mit Arbeitslosen wurden 3.200 Bewerbungen erstellt und verschickt."
Die so genannten Hartzreformen haben sich auch nach Ansicht von Thomas Dippold, Chef der Mainzer Arbeitsagentur, im Kern bewährt. Aktuelle Wirkungsforschungen hätten bestätigt, dass die Prinzipien der Grundsicherung und Eigenverantwortung funktionierten. "Und sie werden auch in der getrennten Aufgabenwahrnehmung, wie sie die Regierung derzeit plant, funktionieren", so Dippold.
Viele Menschen hätten seit der Reform erstmals erfahren, dass ernsthaft daran gearbeitet werde, gemeinsam mit ihnen wieder einen Platz in der Arbeitsgesellschaft zu finden.
Verbesserungspotenzial sieht Dippold vor allem in einem individuelleren Zuschnitt der angebotenen Maßnahmen. In vielen Fragen -sei es bei der Ausweitung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen, der Verhinderung von Schulabbrüchen oder der Gewährleistung von existenzsichernden Löhnen - sei aber auch die Politik gefragt. Vordringlich sei in diesem Jahr die Frage der Umsetzung einer Neuordnung der Jobcenter. "Wir müssen ffür die Jobcenterkunden ebenso wie für die Mitarbeiter schnellstmöglich verlässliche Strukturen schaffen, ohne dass dabei die Betreuungsqualität leidet", so Dippold. "Gut waren wir dann, wenn am Ende die Arbeitslosen von der Umstrukturierung nichts gemerkt haben. "
Quelle: Pressemeldung Stadt Mainz
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