Das Internet der Dinge oder warum Versicherer Google, Amazon & Co. fürchten müssen

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Das Internet der Dinge (Internet of Everything, Internet of Things, IoT) hält nicht nur den Einzelhändler im Würgegriff. Als kürzlich der Internet-Experte Volker P. Andelfinger befragt wurde, ob Amazon und Google den namhaften Versicherern den Rang ablaufen würden, antwortete er, dass die Versicherungsbranche in Bewegungslosigkeit verharre. Zu ähnlichen Ergebnissen kam ja bereits die Sigma-Studie der SwissRe.

Konkurrenz durch Kfz-Hersteller, Telekomunikationsunternehmen

Er sieht die Gefahr, dass die Versicherungsbranche die sich schnell weiterentwickelnde Welt des Internet verschläft. Zur Weiterentwicklung gehört es auch, dass Geschäftsmodelle von Branchenfremden übernommen und in das eigene Geschäftsmodell integriert werden.

Als Beispiel dafür führt Andelfinger die Kfz-Versicherung an. Im Internet der Dinge können derartige Versicherungsleistungen leicht und schnell kopiert und integriert werden. E-Call und Telematik sind die Punkte, an denen Kfz-Hersteller ansetzen. Reagiert die Versicherungsbranche nicht, gehen Anteile am Geschäft verloren. Der Versicherer muss dort sein, wo sich seine Kunden aufhalten, wo sich deren Leben abspielt. Und genau das haben vor allem die Kfz-Hersteller verstanden, die Versicherer noch nicht.

Das Internet der Dinge

Im Internet der Dinge schafft das World Wide Web Verbindungen zwischen „Dingen“. Das kann der Pkw sein aber auch die Steuerung der Haustechnik im eigenen Heim. Daten werden ausgetauscht und vor allem in riesigen Mengen gesammelt. Big Data ist das Thema, bei dem nicht nur die Versicherungsbranche noch Nachholbedarf hat. Die Konsequenz des Internet der Dinge ist allerdings vor allem die nötige Weiterentwicklung der eigenen Dienstleistungen, das Zuschneidern auf die veränderte Lebens- und Arbeitswelt.

Situative Versicherung: neue Versicherungsprodukte im Internet der Dinge

Der Internetspezialist gibt auch konkrete Beispiele. Am Beispiel eines Menschen, der einfach mal für zwei Tage verreisen möchte und genau für diesen Zeitraum einen Versicherungsschutz sucht, zeigt sich der Wandel. Während es bislang nur die auf ein Jahr laufenden Versicherungspolicen gab, hat sich das Düsseldorfer Startup SituatiVe GmbH darauf spezialisiert für genau diesen Spezialfall eine Versicherungsleistung anzubieten. Die situative Versicherung passt sich also zu 100 Prozent den plötzlich auftauchenden Bedürfnissen im Leben des Menschen an.

Auch die einfache Buchbarkeit der Leistung ist Andelfinger ein Anliegen. Per Handy muss es gehen und einfach muss es sein. Gerade die Einfachheit der Bedienung ist es ja auch, was die sogenannten Power Shopper – also Nutzer, die zehn mal und öfter jährlich via Internet einkaufen – von den Shops und Anbietern erwarten.

Wie schnell ein Versicherungsprodukt zum Angebotsbestandteil eines Branchenfremden werden kann, erkennt man auch, wenn man sich vorstellt, dass eine Flugunfallversicherung, Skibruchversicherung, Auslandsreise-Krankenversicherung oder Reiserücktrittsversicherung beim Verkauf von Urlauben oder Geschäftsreisen leicht mitverkauft werden können. Für den Reiseanbieter ist es ein weiteres austauschbares Produkt, das sein Hauptprodukt ergänzt und gerade dadurch attraktiver macht. Für die Versicherer hingegen geht hier oftmals Geschäft verloren. Andelfinger lästert ein wenig und fordert die Versicherungsbranche auf, Smartphone und Tablet als Lifestyleprodukte anzusehen. Diesen Bewusstseinswandel sieht er als ersten wichtigen Schritt an um die Barrieren in den Köpfen beiseite zu räumen.


Bildnachweis: unsplash.com – Ilham Rahmansyah

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