Posted on 3. Okt 2017 in Top | Keine Kommentare

Es ist ein Millionenmarkt: Der Handel mit Skin Gamblins boomt und zieht den jugendlichen Spielern das Geld en masse aus der Tasche. Skins stammen aus dem Taktikspiel „Counter Strike: Global Offensive“ (CS: GO), welches eines der meistgespielten Games im Netz ist. Hier kämpfen Terroristen gegen die Antiterroreinheit – Waffen sind hier das Statussymbol. In Onlinekasinos hingegen stellen Waffen einen Wetteinsatz dar.

Steam als Waffenlager

Um das Geschäft zu verstehen, müssen einige Kenntnisse zu den Hintergründen erklärt werden: Waffen bekommen die Spieler von CS:GO teilweise geschenkt, wobei die Vertriebsplattform „Steam“ federführend ist. Steam gehört zum US-Konzern Valve – ebenso wie CS:GO. Hier gibt es ein Waffenlager, in welchem von jedem Spieler Gewehre, Messer und andere Waffen gelagert werden. Diese stellen teilweise eine Art Aktien dar – Anlage mit Werterhöhung.

Spieler können auf Steam Waffenkisten kaufen, die nur ein paar Cent kosten – dazu brauchen sie aber noch den passenden Schlüssel. Dieser kostet durchschnittlich umgerechnet 2,20 Euro. Keine großen Beträge, hier ist aber die Masse der Einkäufe ausschlaggebend. Die Sache kommt einem Glücksspiel gleich: Öffnet der Spieler die Kiste, kann er – dank des Zufallsprinzips – einen Skin vorfinden, der einige Hundert Dollar wert ist. Mit etwas Pech war sein Kaufbetrag höher als der Wert der Dinge in der Kiste.

Spieler können aber auch auf anderen Seiten Skins kaufen, die eigenen verkaufen, so ergibt sich ein Skin-Markt. Die Preisspanne für die virtuellen Waffen ist hoch. „Kampferprobte Sturmgewehre“ kosten manchmal unter sieben Dollar, ein nagelneues Klappmesser hingegen mehr als 130 Dollar. Manche Waffen bieten nicht einmal einen besonderen Vorzug, sehen einfach nur schön aus. Sie haben dennoch einen hohen Marktwert von teilweise mehr als 1000 Dollar.

Inzwischen sind die Waffen zu einer eigenen Währung geworden, die mit Bitcoin vergleichbar ist. Dabei werden bei Onlinewetten verstärkt Skins eingesetzt und das zu einem höheren Wert als die reale Währung. Wer hiermit allerdings aktiv an Glücksspielen teilnehmen will, muss sich auf illegalen Seiten von Drittanbietern anmelden. Gerade Jugendliche haben kaum Hemmungen, sich dort in Windeseile anzumelden und bei den Glücksspielen mitzumachen, die für sie eigentlich noch verboten sind. Eine Altersverifikation findet hier nämlich nicht statt – meist muss lediglich ein Häkchen als Bestätigung dafür gesetzt werden, dass der Teilnehmende bereits 18 Jahre alt ist. Überprüft wird das nicht.

Es ist ein Millionenmarkt: Der Handel mit Skins boomt und zieht den jugendlichen Spielern das Geld en masse aus der Tasche. (#01)

Es ist ein Millionenmarkt: Der Handel mit Skins boomt und zieht den jugendlichen Spielern das Geld en masse aus der Tasche. (#01)

Handel mit Skins als Riesenerfolg für Valve

Das US-Unternehmen Valve profitiert rundum vom Handel mit Skins – der sogenannte „Arm Deal“ war ein voller Erfolg. Nur sieben Monate, nachdem diese neue Währung eingeführt worden war, hatten sich die Spielerzahlen von CS:GO um das Sechsfache erhöht. Bis heute ist ein Abflauen der Begeisterung der Spieler nicht erkennbar, im Jahr 2016 spielten rund 342.000 Menschen die moderne Version von Räuber und Gendarm. Das Spiel blickt auf einen mehr als 30-millionenfachen Download!

Valve selbst behält die Kontrolle über die Produktion der Skins und veröffentlicht alle paar Monate ein neues Update für das Spiel. Damit kann Valve festlegen, welche Skins in welchen Mengen am Markt gehandelt werden können. Dabei ist das Unternehmen sogar am Handel selbst beteiligt und bekommt eine Provision von 15 Prozent für jeden verkauften Skin.

Verkäufe sind in der Community von Steam aber nur bis zu einer Höhe von 400 Dollar im Monat möglich und der Handel mit seltenen Skins ist damit gar nicht durchführbar. Hierfür sind nun andere Webseiten entstanden, die keinerlei Beschränkung aufweisen. Die Seiten sind über die API (offene Programmierschnittstelle) des Steam-Marktplatzes angebunden. Skins werden via Paypal oder in der Internetwährung Bitcoin gehandelt.

Der Schritt zum Glücksspiel

Auch E-Sports wurde auf CS:GO aufmerksam, was sogar so weit ging, dass das Spiel heute zu den wichtigsten Titeln hier gehört. Anfang des Jahres spielten bei den World Electronic Sports Games acht Teams zu je fünf Spielern um die Meisterschaft – dotiert mit 1,5 Millionen Dollar. Millionen von Fans verfolgten die Spiele live – und wollten auf die Ergebnisse wetten. Nun haben findige Menschen eine Möglichkeit entdeckt, wie dem Wettwunsch entsprochen werden könnte: Statt mit Geld wird mit Skins gewettet – der Weg zum Skin Gambling war frei.

Die Gewinne bleiben dabei nicht virtuell, sondern können später in echtes Geld verwandelt werden. Hierbei geht es sogar um hohe Summen, denn allein im Jahr 2016 wurden auf diese Art und Weise rund fünf Milliarden Dollar eingesetzt. Die Betreiber der Wettseiten kassieren natürlich ein hübsches Sümmchen selbst ein. Sportwetten sind es aber schon längst nicht mehr, die den Hauptteil der Wetten ausmachen. Sie sind nur noch zu rund 50 Prozent maßgeblich, die übrigen 50 Prozent machen Roulette, Münzwurf, Lotto oder andere Glücksspiele aus. Die offizielle Währung lautet CS:GO Skins und wird zu etwa 80 Prozent eingesetzt.

Die Wetten verlaufen in einem rechtlichen Graubereich – es wird nicht mit Geld gewettet, daher gelten die gängigen Verbote nicht. Da sich die Gewinne aber in Geld umwandeln lassen, sind derartige Glücksspiele zumindest in der Schweiz verboten. Gegen Anbieter aus anderen Ländern kann die Eidgenössische Spielbankenkommission aber nicht vorgehen, Netzsperren sind derzeit daher nicht möglich. Auch hierzulande gehen viele Menschen davon aus, dass eine Netzsperre eine Art Zensur darstellen würde. Allen Kritikern voran schreiten natürlich die Spieler selbst, die sich in ihrer Spielfreiheit beschnitten sehen und nicht auf den Einsatz von Skins und auf das Wetten verzichten wollen.

Skin Gambling ist ein Wahnsinnsgeschäft, jedenfalls für die Anbieter der entsprechenden Internetseiten. Eine Alterskontrolle wird dabei nicht betrieben, somit besteht der Spielerkreis aus nicht wenigen Jugendlichen. (#02)

Skin Gambling ist ein Wahnsinnsgeschäft, jedenfalls für die Anbieter der entsprechenden Internetseiten. Eine Alterskontrolle wird dabei nicht betrieben, somit besteht der Spielerkreis aus nicht wenigen Jugendlichen. (#02)

Seiten schießen wie Pilze aus dem Boden

Skin Gambling ist ein Wahnsinnsgeschäft, jedenfalls für die Anbieter der entsprechenden Internetseiten. Eine Alterskontrolle wird dabei nicht betrieben, somit besteht der Spielerkreis aus nicht wenigen Jugendlichen. Sie verspielen ihr Geld und das der Eltern, was dem US-Konzern Valve immer wieder harsche Kritik einbringt. Er ermöglicht mit seinen Skins das illegale (oder in einer rechtlichen Grauzone befindliche) Glücksspiel erst, weil er die Nutzung der Schnittstelle zulässt und damit dem Handel freien Lauf lässt.
Möchte sich jemand auf einer Skin Gambling Seite anmelden, muss er zugleich bei Steam angemeldet sein. Hier zeigt sich, wie sehr alles miteinander verbunden ist.

Die Gambling Commission in den USA hat bereits Ende Oktober 2016 von Valve gefordert, dass der Datenaustausch mit anderen Seiten eingestellt werden sollte. Doch der Konzern wehrte sich gegen die Forderung mit der Begründung, dass er keinerlei geschäftliche Beziehung mit den jeweiligen Webseiten unterhalte und dass die Anbieter der Wettseiten gegen die Nutzungsrichtlinien von Steam verstoßen würden. Zudem sei die Schnittstelle nicht einfach zu schließen, weil damit auch andere Dienste unterbunden würden.

Schon bald trafen die ersten Zivilklagen gegen Valve ein und das Unternehmen musste hart gegen die Wettseiten vorgehen. Rechtliche Schritte wurden angedroht – doch eine tatsächliche Schließung der Wettseiten wurde nur in rund 40 Prozent der Fälle erreicht. Genau genommen ging der Schuss nach hinten los: In der Zeit, in der die 40 Prozent schlossen, schossen neue Webseiten wie Pilze aus dem Boden. Das Wettvolumen ging daher kaum zurück.

Skin Gambling ist kaum zu kontrollieren oder zu regulieren, dabei gleichzeitig ein überaus lukratives Geschäft für alle Beteiligten. (#03)

Skin Gambling ist kaum zu kontrollieren oder zu regulieren, dabei gleichzeitig ein überaus lukratives Geschäft für alle Beteiligten. (#03)

Unreguliertes Skin Gambling

Skin Gambling ist kaum zu kontrollieren oder zu regulieren, dabei gleichzeitig ein überaus lukratives Geschäft für alle Beteiligten. Mit Ausnahme der jugendlichen Spieler natürlich, die hier nicht nur ihr Taschengeld verwetten.

Von den meisten Websites ist nicht einmal bekannt, wer eigentlich dahintersteht bzw. wer sie betreibt. Dabei kommen bei näherem Nachforschen so interessante Dinge heraus wie der Fall zweier Youtuber, die mit ihren eigenen Videos reich geworden sind. Sie hatten viele Millionen Abonnenten und ließen sich vor allem von Jugendlichen beim Spielen zuschauen. Gleichzeitig erklärten sie, wie sie mit Lotto viel Geld verdienen würden und verschwiegen wohlweislich, dass sie Miteigentümer der betreffenden Lottogesellschaft waren. Den Jugendlichen wird hier eine Welt vorgegaukelt, die in der Realität gar nicht besteht und in der vor allem sie selbst so nicht bestehen können.

Die auf diese oder ähnliche Art und Weise stattfindende Schleichwerbung beschäftigt immer häufiger Spielkommissionen und Gerichte, die allerdings meist nicht wirklich etwas Ausschlaggebendes in der Hand haben. Zu Verboten oder härteren rechtlichen Maßnahmen kommt es daher nur selten. Meist muss einfach nur deutlich werden, in welcher Beziehung jemand zu einem Produkt steht, für welches er wirbt (in dem vorliegenden Fall der beiden Youtuber, dass sie ihre Mitbesitzerschaft an der Lottogesellschaft kundtun mussten). Strafen sind nicht zu erwarten, keine finanziellen und auch keine Freiheitsstrafen. Das bringt die betreffenden Leute allerdings nicht wirklich dazu, ihr Treiben einzustellen oder zu ändern.

Ähnlich verhält es sich mit dem Skin Gambling. Wirklich nachweisbar ist nichts, alles ist rechtlich zwar umstritten, jedoch noch im Bereich des Erlaubten. Das Nachsehen haben jedoch die Spieler und hier vor allem die Jugendlichen, die ihr Geld verwetten und dabei auch bei langen Verluststrecken nicht aufhören. Immer nach dem Motto, dass schon irgendwann der große Glücksfall eintreten würde, gehen Tausende um Tausende Euro verloren.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Phoenixns -#01: Gorodenkoff  -#02: Vladimir Gjorgiev  -#03: AlesiaKan

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.