Mit dem Landesdialektpreis würdigt Baden-Württemberg künstlerische Arbeiten, die regionale Sprachformen in die Gegenwart übertragen. Die Veranstaltung in Oberkirch ehrte über 20 Preisträger aus sechs Bereichen und vergab Preisgelder von zusammen 60.000 Euro. Ausgezeichnet wurden Beiträge aus Literatur, Kino, Musik, Bühnenkunst und sozialen Medien. Damit dokumentiert die zweite Ausgabe die breite Verwendbarkeit von Dialekt als künstlerisches Mittel und seine Reichweite bei jungen sowie älteren Teilen der Bevölkerung im ganzen Land deutlich.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Ausgezeichnete Beiträge zeigen Dialekt als modernes künstlerisches Ausdrucksmittel heute
Im Rahmen der zweiten Ausgabe des Landesdialektpreises Baden-Württemberg, der 2024 eingerichtet wurde, erhielten Beiträge aus zehn Feldern Anerkennung. Die Auswahl umfasste junge Talente, Literatur, Film, Kabarett, Comedy, Live-Performance, Bühnenkunst, Lieder, Musik und digitale Medienangebote. Stefan Unser führte als Moderator durch das Programm und kombinierte Erläuterungen mit Bildern, Filmen und Bühnenbeiträgen. So zeigte die Veranstaltung anschaulich, wie Dialekt in unterschiedlichen zeitgenössischen Kunstformen eingesetzt wird und kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten für verschiedene Zielgruppen schafft heute.
Geteilte erste Preise würdigen kreative Mundartprojekte junger Talente landesweit
Die Jury der Sparte Junge Generation würdigte vier Beiträge, die Dialekt in unterschiedliche künstlerische Formate überführen. „Guat gmonnte Utopien“ und „HEATED (AT)“ erreichten gemeinsam den ersten Platz. Daran schlossen sich Elias Mohrs Atlas „Sprachlandschaften. Ein Atlas süddeutscher Stimmen“ und Piel Schmitts Film „Wieder mehr viel Arbeit“ auf dem zweiten Rang an. Die Preisvergabe verdeutlicht, wie junge Kulturschaffende Mundart für gegenwärtige Themen, Bilder und Erzählweisen einsetzen können heute.
Literaturpreise würdigen Dialektprosa, Poesie und regionale Sprachreflexionen gleichermaßen heute
Mit „Vum Sepp un de Marie“ erhielt Klaus-Dieter Reichert den ersten Preis in der Literatursparte. Der 81-jährige Autor aus Steinenbronn verbindet seine Herkunft als Seealemanne mit langjähriger Erfahrung in der Schreibwerkstatt von schwäbische mund.art e.V., die er als Co-Leiter begleitet. Jane Wels wurde für „Slang-Poetry“ geehrt, Claudia Scherer für „hoimweh“ und Markus Manfred Jung für einen Essay über den Zustand des Dialekts. Die Auszeichnungen verdeutlichen, dass Dialektliteratur regionale Sprachformen, Perspektiven und Erzählmuster dokumentiert und literarisch weiterentwickelt für viele Leser.
Filmpreise zeigen Dialekt als wirksames Medium regionaler Kulturvermittlung
„Tschappel“ erhielt die Auszeichnung als bester Langfilm. Verantwortlich für die Produktion sind Marius Beck, Paul Beck, Carly Coco, Marc Philip Ginolas, Maximilian Greil und Charlotte Groth. Die ZDFneo-Serie wurde von Apollonia Film sowie LAX Entertainment produziert und nutzt oberschwäbischen Dialekt als wesentliches Gestaltungsmittel. „Märtyrer der Strebsamkeit“ gewann in der Kurzfilmkategorie, „Am Beckenrand“ in der Dokumentationskategorie. Die Verbindung aus gesprochenem Wort, Mimik und konkreten Alltagsszenen vermittelt regionale Sprache anschaulich und unmittelbar.
Mundartmusik erreicht junges Publikum durch Rap, Solo und Opus
Die Preisvergabe im Musikbereich würdigt unterschiedliche Formen aktueller Dialektkunst. Mit „Viertelestaxi“ setzte sich das Gässlesrap Kollektiv als beste Formation durch. Die Musiker Yannick Marszalek, Felix Neth, Frederik Maximilian Salden und Hannes Schmid verbinden schwäbische Sprache, Rap und einen dynamischen Liveauftritt. Matthias Flad wurde für „Sondermülldeponie“ als bester Solokünstler ausgezeichnet. Den Preis für das beste Opus erhielten Mona Maria Weiblen und Die Traufgängerinnen für „Julius“. Mundart wird damit für Hörer attraktiv.
Fidelius on Tour überzeugt mit Kleinkunst, Musik und Dialekt
Die Auszeichnung in der Kategorie Kabarett, Comedy, Live-Performance und Bühnenkunst ging an Martin Wangler. Sein Beitrag „Fidelius on Tour – Land in Sicht“ überzeugte durch das Konzept einer Wanderbühne, die Sprache, Musik und Kleinkunst zusammenführt. Ernst Mantel und Heiner Reiff erhielten für „Ernst und Heinrich: NEX VERKOMMA LASSA“ den zweiten Preis. Friedel Kehrer wurde mit „Sacha ond Sächla“ Dritter. Die prämierten Programme zeigen, wie Dialekt Lebenswelten unmittelbar, unterhaltsam und poetisch erschließt.
Schwäbische Medienprojekte schaffen interaktive Zugänge zum Dialekt für Nutzer
Die Auszeichnung in der Sparte Neue Medien ging an Patrik Lehmann und seine die_patrik_lehmann_show. Stefanie Biedermanns Angebot einfach_lecker_by_steffi belegte den zweiten Rang. Den dritten Rang erreichte SOS – Streets of Stuttgart, entwickelt von Pius Jauch für schwäbische mund.art e.V. Die Folgen SOS I, veröffentlicht 2023, und SOS II aus dem Jahr 2026 verknüpfen schwäbische Sprache mit digitalen Spielumgebungen und erweitern die Vermittlung von Dialekt erheblich für ein breites Publikum nachhaltig spürbar.
Beschd of Daheim bringt Mundart auf die Oberkircher Bühne
Unter dem Leitmotiv „Beschd of Daheim“ zeigen sechs Preisträger am 17. Oktober ihre künstlerischen Arbeiten in Oberkirch. Die Vorführung beginnt um 10 Uhr im Forum am Hans-Furler-Gymnasium. Berthold Kracke, Claudia Scherer, Klaus-Dieter Reichert, Markus Manfred Jung, Matthias Flad und Mona Maria Waiblen gestalten ein abwechslungsreiches Programm aus Textvorträgen, Musik und Bühnenkunst. Der Termin schafft Zugang zu Dialekten und macht Klang und Rhythmus im Publikum dort unmittelbar erfahrbar.
Mit dem Landesdialektpreis würdigt Baden-Württemberg Dialekte als gegenwärtige Kunst- und Kommunikationsformen. Alemannische, fränkische und schwäbische Beiträge erhalten eine Plattform, die regionale Herkunft sichtbar macht und zugleich neue Ausdrucksformen fördert. Literatur bewahrt sprachliche Nuancen, während audiovisuelle Produktionen und Musik ein breiteres Publikum erreichen. Angebote in sozialen Netzwerken sowie interaktive Spiele binden weitere Interessenten ein. Die Preisvergabe macht deutlich, dass Mundarten nicht statisch sind, sondern sich künstlerisch, medial und gesellschaftlich weiterentwickeln können.

