Während in vielen europäischen Staaten bereits verbindliche Vorgaben zur Putenhaltung geltende Norm sind, besteht in Deutschland weiterhin Handlungsbedarf. Die EFSA hat in ihrer Studie empfohlen, die Zahl der Tiere pro Stall deutlich zu reduzieren und durch strukturelle Anreicherung mit organischem Beschäftigungsmaterial sowie geschützten Außenklimabereichen Verhaltensstörungen zu minimieren. Außerdem wird das routinemäßige Kürzen der Schnäbel abgelehnt und eine umfassende Schmerztherapie beim Eingriff gefordert. Der Deutsche Tierschutzbund dringt auf umgehende konsequente Gesetzesanpassungen.
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EFSA kritisiert hohe Besatzdichten und unzureichende Stallstruktur in Putenhaltung
Die EFSA legt in ihrer „Scientific Opinion“ ein umfassendes Konzept zur Neuregelung der Putenhaltung vor. Sie mahnt verbindliche Vorgaben für niedrigere Besatzdichten an und fordert eine Stallgestaltung mit variablen, tiergerechten Strukturen und organischem Material, um natürliche Verhaltensweisen zu fördern. Zusätzlich empfiehlt sie die Etablierung zugänglicher Außenklimabereiche und spricht sich gegen das routinemäßige Kürzen von Schnäbeln aus. Solange diese Praxis erlaubt bleibt, sollen verpflichtende Schmerzmanagement-Standards eingeführt werden mit klar definierten Fristen.
Mindestanforderungen an Stall, Besatz und Beschäftigung schützen Putenwohl nachdrücklich
Die aktuelle Putenhaltung in Deutschland unterliegt ohne rechtliche Mindestvorgaben, kritisiert der Deutsche Tierschutzbund. Franziska Hagen wertet die EFSA-Analysen als kritischen Impuls für die Politik und fordert verbindliche Regularien. Dazu zählen reduzierte Besatzdichte, optimierte Stallgestaltung, artgerechte Beschäftigungsmaterialien sowie ein gesicherter Außenzugang. Diese Maßnahmen versprechen messbare Verbesserungen des Wohlbefindens und der Gesundheit der Tiere. Zugleich würden sie das routinemäßige Schnabelkürzen obsolet machen. Ein rechtlicher Rahmen ist hierfür unerlässlich, nachvollziehbar, wirksam, kontrolliert, transparent.
Experten fordern strukturierte Ställe mit ausreichend Rückzugs- und Bewegungsbereichen
Zur Förderung artgerechter Haltung fordert die EFSA, die bisher zugestandenen Quadratmeter pro Tier signifikant zu erhöhen und damit den Platzbedarf im Vergleich zu den Branchenstandards zu verdoppeln. Sowohl weibliche als auch männliche Tiere erhalten am Mastende durch größere Stallbereiche ausreichend Bewegungsfreiheit. Ferner wird ein modular aufgebautes Stalllayout empfohlen, das neben einem Aktivitätsbereich auch geschützte Ruheplätze integriert. Diese Kombination soll das natürliche Bedürfnis nach Bewegung und Ruhe befriedigen effektiv nachhaltig fördern.
EFSA: Frische Luft und Stroh Beschäftigungsmaterial reduzieren Federpicken deutlich
Die EFSA spricht sich dafür aus, organisches Beschäftigungsmaterial wie ungepresstes Stroh, Raufenfüllungen oder Lecksteine in den Stall zu integrieren, um Puten vielfältige Beschäftigungschancen zu bieten. Ergänzend soll ein zugänglicher Außenklimabereich realisiert werden, der frische Luft, Sonnenschutz und wechselnde Untergründe bereitstellt. In Kombination fördern diese Umweltanreicherungen das natürliche Such- und Putzverhalten, beugen Langeweile sowie Stress vor und reduzieren signifikant Verhaltensstörungen wie Feder- und Hautpicken und verbessern langfristig wesentlich das allgemeine Tierwohl.
Beende Schnabelkürzen: EFSA pocht auf effektive Schmerzlinderung während Eingriff
Das Abtrennen von Schnabelspitzen hat in der Putenhaltung Tradition, um Verletzungen durch aggressives Federpicken zu verhindern. Die EFSA sieht darin jedoch eine tierschutzrechtlich bedenkliche Maßnahme und spricht sich für ein Ende dieses Rituals aus. Solange das Schnabelkürzen nicht verboten ist, sollten effektive Betäubung und schmerzreduzierende Medikamente verpflichtend sein. Zusätzlich empfiehlt die Behörde die konsequente Einführung umweltgerechter Stallkonzepte und Beschäftigungsobjekte, um das natürliche Verhalten zu fördern und Stresssymptome nachhaltig zu verringern.
Zeitnahe nationale Umsetzung der EFSA-Putenhaltungsrichtlinien verhindert zukünftige EU-Verordnungskonflikte effizient
Frühere Regierungen haben bereits umfangreiche Vorarbeiten zur Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geleistet, die als solide Basis dienen. Nun obliegt es der aktuellen Regierung, die von der EFSA eingebrachten Empfehlungen sorgfältig zu evaluieren, inhaltlich zu optimieren und kurzfristig in nationales Recht zu überführen. Durch dieses Vorgehen kann Deutschland proaktiv EU-weiten Bestimmungen zur Putenhaltung zuvorkommen, einheitliche Regelungen schaffen und damit die Tiergesundheit sowie das Wohlbefinden empfindlich verbessern. Des Weiteren stärkt dies Forschung, Transparenz und Kontrolle.
EFSA-Standards zur Schmerzbehandlung schützen Puten jetzt vor unnötigem Leiden
Durch verbindliche Umsetzung der Empfehlungen der EFSA werden einheitliche Mindestanforderungen für Besatzdichte, Stallaufbau, Beschäftigung und medizinische Schmerzbehandlung etabliert. Der Wegfall des routinemäßigen Schnabelkürzens ermöglicht konfliktfreie soziale Interaktionen unter Puten. Außenzugänge schaffen Zugang zu Tageslicht und natürlichen Mikroklimata, während organische Beschäftigungsmaterialien wie Heu und Zweige Neugierde und artgemäßes Verhalten fördern. Diese ganzheitlichen Maßnahmen steigern Gesundheit, Immunresistenz und Lebensqualität der Tiere und sichern langfristig ökologisch nachhaltigen Geflügelanbau und reduzieren deutlich Umweltauswirkungen signifikant.

