Energieeinsparung: was die Industrie dazugelernt hat

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In privaten Haushalten wird gern davon gesprochen, dass die Energieeinsparung durch das Ausschalten elektrischer Geräte und eine bessere Wärmedämmung möglich sei. In der Industrie sind derlei Wege weniger leicht zu beschreiten. Doch in Studien und in der Praxis hat es sich gezeigt, dass die Industrie bereits viele neue Wege in Eigeninitiative erfolgreich beschritten hat.

Überlegungen zur Energieeinsparung

Tipps, mit denen sich im privaten Raum eine Energieeinsparung realisieren lässt, kennen wir alle. Es geht um das konsequente Ausschalten elektrischer Geräte, um ein richtiges Lüften und um den Schutz des Hauses vor entweichender Heizwärme über eine bessere Dämmung. In der Industrie ist das Energieeinsparpotenzial zwar hoch, lässt sich aber weniger leicht benennen. Denn: Hier hängen oft genug umfassende Prozesse an einem einfachen Ausschalten von Geräten! Dennoch sind Einsparungen möglich.

Ein anderes Beispiel aus der Wasseraufbereitung</strong> zeigt ebenfalls, wo und wie Energie verloren geht. ( Foto: Shutterstock- Dmitry Kalinovsky)

Ein anderes Beispiel aus der Wasseraufbereitung zeigt ebenfalls, wo und wie Energie verloren geht. ( Foto: Shutterstock- Dmitry Kalinovsky)

Potenziale zur Energieeinsparung in der Industrie

Korrekterweise darf hier nicht von Fehlern gesprochen werden, denn viele Abläufe, die einer Energieeinsparung in der Industrie entgegenstehen, sind kaum anders möglich. So verschlingen große Lager- und Produktionshallen Unmengen an Heizenergie. Gleichzeitig werden sie jedoch in dieser Form benötigt und müssen dennoch aufwendig beheizt werden.

Waren dürfen nicht in der Kälte leiden, viele davon benötigen eine bestimmte Temperatur für ihre Lagerung und Verarbeitung. Gleichzeitig werden Tore in einer Größe, dass die Lkw der Zulieferer hindurchpassen, alle paar Minuten geöffnet. Die Hallen sind hoch und benötigen auch aus baulichen Gründen sehr viel Heizenergie. Kurzum: Die Heizlast ist hoch, aber dennoch notwendig.

Ein anderes Beispiel aus der Wasseraufbereitung zeigt ebenfalls, wo und wie Energie verloren geht. Das Beispiel stammt aus der Abwasseraufbereitung, die seit jeher mit großen Energieverlusten verbunden ist. Dabei liegt gerade hier ein Schlüssel für die Energieeinsparung in der Zukunft, denn: Ein Kubikmeter Abwasser enthält viermal so viel Energie, wie für die Reinigung des Abwassers gebraucht wird.

Das bedeutet, dass die Energieeffizienz bei der Abwasseraufbereitung so weit gehen könnte, dass mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. Grund sind die enthaltenen Feststoffe, die in einer Biogasanlage zu elektrischer und thermischer Energie umgewandelt werden könnten. Einige Technologien zur Energiegewinnung sind bereits tragfähig, an anderen wird immer noch geforscht. Die Ergebnisse dazu scheinen aber überall sehr vielversprechend zu sein.

Wo liegt eine mögliche Energieeinsparung beim Betrieb von Kläranlagen?

Betreiber von Kläranlagen müssen sich auf der einen Seite mit dem möglichen Energieeinsparpotenzial auseinandersetzen, auf der anderen Seite aber die strengen Vorgaben des Umweltministeriums berücksichtigen. Spannend: In Deutschland sind etwa 10.200 Kläranlagen fest installiert, diese verbrauchen etwa 4.400 Gigawattstunden an elektrischer Energie im Jahr. Auf die Einwohner des Landes gerechnet ist das ein Energieverbrauch von 35 Kilowattstunden im Jahr. Damit machen Kläranlagen rund 0,7 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland aus.

Besonders die Belüftungsbecken, Raumfilter, Einlaufhebewerke und Faulbehälterumwälzungen erweisen sich als Energiefresser sondergleichen. Nicht umsonst steht hier die Belüftung an erster Stelle der stärksten Energieverbraucher im Klärwerk. Eine optimierte Belüftung auf biologischer Basis ist daher der wichtigste Punkt, den es im Rahmen der Energiesparmaßnahmen umzusetzen gilt. Hier sind teilweise monetäre Einsparungen von bis zu 40.000 Euro pro Jahr möglich!

Video: Energieeffizienz: Einsparpotentiale in der Industrie realisieren

Maßnahmen zur Energieeinsparung in Unternehmen

Die Einsparungen im Industriebereich mögen weniger augenscheinlich sein als im privaten Bereich, dennoch sind sie freilich vorhanden. Jeder Unternehmer, der sparen möchte, sollte sich daher ein Bild darüber verschaffen, welche Geräte und Prozesse wie viel Energie verbrauchen. Das wird als Energiemonitoring bezeichnet.

Welche Maßnahmen helfen bei der Energieeinsparung in der Industrie?

Viel zu häufig berufen sich Unternehmen in der Industrie auf lange bewährte Prozesse, die jedoch sehr energieaufwendig sind. Hier ist ein Umdenken nötig, um die Abläufe zu erkennen, die ein möglichst hohes Energieeinsparungspotenzial haben. Um beim oben genannten Beispiel der hohen Halle zu bleiben, die häufig geöffnet werden muss, ist dabei zu berücksichtigen, dass durch Veränderungen auch immer die betrieblichen Prozesse verändert und häufig genug verlangsamt werden.

Leidet die Effizienz im Unternehmen, weil Lieferungen nicht mehr reibungslos ankommen, da das Tor nur noch in bestimmten Abständen geöffnet wird, ist die Energieeinsparung zwar schön, dafür werden die Kosten an anderer Stelle nach oben getrieben.

Oft laufen eventuelle Verbesserungen und Energieeinsparungen auf Umbaumaßnahmen hinaus. Zusätzliche Dämmungen und Zwischentüren werden angebracht, damit zum Beispiel ein Lkw nur in den Vorraum fährt und von dort aus in den eigentlichen Hallentrakt gelangt. In der Folge wird weniger kalte Luft von draußen nach drinnen gelassen, die dann aufwendig erwärmt werden müsste.

In anderen Bereichen sind zum Beispiel Deckenventilatoren hilfreich, die warme Luft nach unten drücken und somit vor einem zu hohen Wärmeverlust nach oben schützen. In wieder anderen Bereichen sind neue Filteranlagen oder Wärmerückgewinnungsanlagen zu installieren.

Wie kann die vorhandene Energie besser genutzt werden?

Wenn es im privaten Bereich möglich ist, die Energieeinsparung durch einige Investitionen wie zum Beispiel in eine Photovoltaikanlage zu realisieren, sollte das bis zu einem gewissen Maß auch in der Industrie möglich sein. So können Dächer für die Installation derartiger Anlagen genutzt werden, außerdem können automatisierte Systeme, die nur bei Bedarf zuschalten, helfen, unnötige Energieverluste zu vermeiden.

Auch der Einsatz neuer Technologien wie bei der oben erwähnten Aufbereitung von Abwasser mag zwar auf den ersten Blick kostenintensiv erscheinen, ist aber deutlich kostensparender als ein Festhalten an den alten Technologien und Geräten.

Teilweise ist es bereits damit getan, die Energiesparpotenziale in der Industrie durch eine Aufbesserung der vorhandenen Anlagen zu erwirken. Druckluftanlagen werden besser abgedichtet, Lüftungsanlagen müssen regelmäßig gereinigt werden. Beleuchtungsanlagen sollten in Gruppen geschaltet werden können, das Sauberhalten von Lampen und Geräten hilft dabei, nicht mehr Energie als nötig zu verbrauchen.

Nicht zuletzt ist eine der wichtigsten Maßnahmen, die darüber hinaus noch ohne große finanzielle Investitionen möglich ist, die eigenen Mitarbeiter zu schulen. Diese müssen die Wichtigkeit der Energieeinsparung im eigenen Unternehmen erkennen und sollten feststellen, dass die Ansprüche im Privaten wie in der Industrie gleich sind. Es geht immer darum, möglichst viel Energie und damit Kosten zu sparen. Zum Wohle der Umwelt, des Klimas und des eigenen Budgets!

Video: Energieeffizienz. Potenziale in Industrie und Gewerbe.

Die ifeu-Studie und ihre Bedeutung für die Industrie

Die ifeu-Studie, die im Jahr 2011 mit einem Endbericht veröffentlicht wurde und unter der Verantwortung von Dr. Martin Pehnt (ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg) stattfand, ist heute immer noch so aktuell wie vor einigen Jahren. Sie legte damals schon Ziele für 2020 fest, die sich zum Beispiel auf eine 40-prozentige Minderung der Treibhausemissionen gegenüber 1990 bezogen.

Mit welchen Themen befasste sich die ifeu-Studie?

Im Rahmen der Studie ging es um Möglichkeiten zur Energieeinsparung in der Industrie, um den Endenergieverbrauch und um ein Szenario für die Zukunft. Es wurde herausgefunden, dass Maßnahmen zum Klimaschutz und für mehr Energieeffizienz vor allem dazu beitragen, die Volkswirtschaft zu beeinflussen. Unmittelbare Reduktionen von Energieimporten und Umweltwirkungen konnten jedoch nicht festgestellt werden.

Die Studie, die das ifeu-Institut zusammen mit Prognos, dem Fraunhofer ISI, GWS und einigen Unterauftragnehmern durchgeführt hat, sollte verschiedene Forschungsfragen beantworten:

  • Wo liegen Potenziale zum Endenergieverbrauch?
  • Welche wirtschaftlichen Folgen würde eine Umsetzung der Energieeinsparpotenziale nach sich ziehen?
  • Wie können Potenziale gefördert werden?
  • Welche Rolle spielen finanzielle Förderungen?
  • Welche Maßnahmen können entwickelt werden?

Die Antworten auf diese Fragen beziehen sich freilich nicht auf ein bestimmtes Unternehmen, sondern sind für alle Firmen relevant, die sich mit dem Thema Endenergieverbrauch, Energieeinsparungen und Klimaschutz befassen.

Wenn es im privaten Bereich möglich ist, die Energieeinsparung durch einige Investitionen wie zum Beispiel in eine Photovoltaikanlage zu realisieren, sollte das bis zu einem gewissen Maß auch in der Industrie möglich sein.  ( Foto: Shutterstock-_Lukassek  )

Wenn es im privaten Bereich möglich ist, die Energieeinsparung durch einige Investitionen wie zum Beispiel in eine Photovoltaikanlage zu realisieren, sollte das bis zu einem gewissen Maß auch in der Industrie möglich sein. ( Foto: Shutterstock-_Lukassek )

Welchen Rahmen gibt Frozen Efficiency vor?

Im Rahmen der Studie ging es um die Simulation bzw. die Darstellung möglicher Ergebnisse in einem ambitionierten Szenario sowie in einem Szenario, welches als Referenz dienen sollte. In diesem Zusammenhang sprechen die Forscher von einem Frozen Efficiency Szenario, das keinerlei weitere Verbesserungen hinsichtlich der Effizienz bedeutet. Veränderungen werden nur noch durch Abänderungen der wichtigsten Größen möglich, zu denen Wirtschaftswachstum, Bevölkerung und Produktion gehöhren.

Zwischen Frozen Efficiency und Effizienz ambitioniert ergibt sich eine Differenz, die die Frage nach der möglichen Umsetzung realistischer Potenziale beantwortet bzw. die sich um die Folgen dieser Umsetzung sorgt. Generell findet sich alles im Fluss und so ist es verständlich, dass nicht nur einzelne Faktoren im Unternehmen geändert werden, wenn es um die Umsetzung von Energiesparpotenzialen geht. Neue Geräte werden effizienter, Gebäude besser energetisch saniert.

Bei allen Überlegungen darf niemand davon ausgehen, dass die einzelnen Faktoren auf dem Jetzt-Stand verharren werden. Anlagen werden modernisiert, Unternehmer müssen in diese allerdings auch investieren. Bisher hocheffiziente Anlagen werden in wenigen Jahren deutlich unter dem üblichen Niveau befindlich sein und müssen ersetzt werden.

Die damit verbundenen Investitionen gleichen einen Teil der Energieeinsparung in der Industrie wieder aus. Die Auswirkungen auf die Umwelt durch die Ausnutzung von Energieeinsparpotenzial und mehr Energieeffizienz sind jedoch die zweite Seite der Medaille, weshalb derartige Investitionen bzw. deren Sinn oder Unsinn niemals nur aus monetärer Sicht betrachtet werden darf.

Im Rahmen der Studie ging es um Möglichkeiten zur Energieeinsparung in der Industrie, um den Endenergieverbrauch und um ein Szenario für die Zukunft.  ( Foto: Shutterstock- branislavpudar)

Im Rahmen der Studie ging es um Möglichkeiten zur Energieeinsparung in der Industrie, um den Endenergieverbrauch und um ein Szenario für die Zukunft. ( Foto: Shutterstock- branislavpudar)

Fazit

Bei einem Frozen Efficiency wird ein bestimmter Zeitraum „eingefroren“, was bedeutet, dass bestimmte Parameter nicht verändert werden. Dies ist freilich nur rein hypothetisch möglich. Das ambitionierte Szenario hingegen zeigt, was unter Veränderung einzelner Parameter abänderbar ist. Auf diese Weise lassen sich bei einer theoretischen Betrachtung aller Gegebenheiten das Energieeinsparpotenzial und einzelne Aspekte der Wirtschaftlichkeit in der Industrie näher betrachten.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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