Posted on 3. Apr 2017 in Top | Keine Kommentare

Biblische Figuren sind kunsthandwerkliches Hilfsmittel, die zur Darstellung und zum Erzählen biblischer Geschichten verwendet werden. Wenn sie bewegt oder mit ihnen Szenen aufgebaut werden, können sie einen neuen Zugang zu biblischen Geschichten ermöglichen.

Was sind biblische Figuren eigentlich?

Biblische Figuren oder auch Egli-Figuren sind handgefertigte Figuren, die aus einem Drahtgestell, Füßen aus Blei für festen Stand und einem individuell gestalteten Kopf aus Hartschaum bestehen. Biblische Figuren haben niemals ein Gesicht. Das ist mit Absicht so, weil der Ausdruck des Gesichts die Figuren sonst zu sehr festlegen würden. Gefühle, Absichten und Funktionen der Figuren werden deshalb ausschließlich mit Hilfe ihrer Körpersprache ausgedrückt. So wird auch der Interpretationsspielraum offengehalten. Zudem können die Figuren leicht in andere Figuren umgewandelt werden, wenn man die aus Naturstoffen hergestellte Kleidung wechselt.

Die biblischen und Egli-Figuren gibt es in drei Größen, mit Hilfe derer sowohl Kinder als auch Erwachsene dargestellt werden können. Die größte Puppe ist 70 Zentimeter, die kleinste 30 Zentimeter. Biblische Figuren werden vor allem im Religionsunterricht, bei der Seelsorge und bei der Gemeindearbeit wie etwa dem Kommunionunterricht verwendet, um die Inhalte der Bibel anschaulicher und begreifbarer zu machen.

 

 

Biblische Figuren sind kunsthandwerkliches Hilfsmittel, die zur Darstellung und zum Erzählen biblischer Geschichten verwendet werden. (#01)

Biblische Figuren sind kunsthandwerkliches Hilfsmittel, die zur Darstellung und zum Erzählen biblischer Geschichten verwendet werden. (#01)

Biblische Figuren: Geschichte und Entstehung

Die ersten biblischen Figuren haben ihren Ursprung in der Schweiz. Schwester Anita Derungs OP war im Sommer 1964 Erzieherin in Ilnaz und entwickelte zusammen mit der damaligen Präsidentin des Müttervereins in Graubünden, Frau Fryberg-Candinas die ersten beweglichen biblischen Figuren der Schweiz. Die ursprünglichen Figuren entstanden dabei aus der Tradition der Weihnachtskrippen.
Die Figuren wurden schon damals aus Material hergestellt, dass man in jedem normalen Haushalt finden kann. Anita Derungs verwendete so zum Beispiel Elektriker- und Sisaldraht, Stoff- und Holzreste. Die Köpfe wurden damals aus Hartschaum hergestellt und dann mit
Duvetine oder Kettsamt überzogen, um sie zu stabilisieren. Diese Materialien werden bei der Herstellung der Figuren noch heute verwendet.

Nachdem immer mehr Leute von den biblischen Figuren erfuhren, wurden schließlich private Kurse zur Herstellung veranstaltet. Die Kursteilnehmerinnen stellten die Figuren mit großer Begeisterung her und entwickelten sie weiter. Die erste Generation von Figurenbastlerinnen trugen das Verfahren weiter und 1966 erfuhr dann Doris Egli von den Figuren und entwickelte sie mit viel Begeisterung und Engagement weiter.

 

Biblische Puppen in Deutschland gehen auf das Jahr 1978 zurück, als die deutsche Familie Knoch im Urlaub auf Familie Marty aus Luzern in der Schweiz traf. (#02)

Biblische Puppen in Deutschland gehen auf das Jahr 1978 zurück, als die deutsche Familie Knoch im Urlaub auf Familie Marty aus Luzern in der Schweiz traf. (#02)

Doris Egli arbeitete allerdings nur kurz mit den anderen Figurenbastlerinnen zusammen. Vor allem um das Material gab es Streitigkeiten.

Dabei ging es vorrangig um zwei Entwicklungen:

  • Die Entwicklung von Bleischuhen
    Bei den ersten Figuren wurde mit Schubimehlschuhen gearbeitet, später dann mit Buchdrucker-Blei. Die ersten Schuhe komplett aus Blei goss ein Pfarrer. Über verschiedene Kontakte kam es dann später zur Mitarbeit von Schmied Berchtold Frei, der die biblischen Figuren seit 1975 mit den Bleischuhen ausstattet. Von seinem Vater übernahm dann Christoph Frei die Herstellung der Bleischuhe und liefert bis heute die Bleischuhe für die biblischen Figuren.
  • Die Entwicklung der Klammer
    Der Konflikt zwischen Egli und den anderen Herstellerinnen drehte sich vor allem um den verwendeten Draht und eine von Egli entwickelte Klammer. Biblische Figuren wurden zu Beginn der Herstellung aus zwei Arten von Draht gefertigt: Die Beine bestanden aus Sisaldraht und die Arme aus Elektrikerdraht. Nach einiger Zeit begann man dann, den Sisaldraht auch für die Arme zu verwenden. Diese Änderung zog aber ein Problem nach sich. Die beiden Drähte konnten nicht mehr umeinandergeschlungen werden, sonst wäre das Gestell am „Hals“ der biblischen Figur zu dick geworden. Also nähte man die Drähte zusammen, die biblischen Figuren waren dadurch aber sehr instabil. Doris Egli entwickelte dann, zusammen mit ihrem Mann, eine Klammer aus Metall, die das Gestell der Puppen deutlich stabilisierte. 1976 brachte Egli die biblischen Figuren unter der Bezeichnung „Original-Doris-Egli-Material“ auf den Markt und wollte Urheberrechtsansprüche auf die Figuren anmelden. Damit war sie nicht erfolgreich, da zu viele Personen bis zu diesem Punkt an der Entwicklung der Figuren beteiligt gewesen waren. Egli konnte lediglich die Markenrechte auf ihren Namen zu erwirken, woher die Bezeichnung „Original-Doris-Egli-Material“ kommt und damit auch Interesse von Doris Egli, die Figuren Egli-Figuren zu nennen.

Dass Egli Urheberrechtsansprüche stellte, kam bei den anderen Frauen, die unentgeltlich an der Weiterentwicklung der Figuren gearbeitete hatten, nicht gut an. Es kam zum Bruch zwischen beiden Parteien.

 

Biblischen Figuren aus Württemberg wurden vorwiegend als „Egli-Figuren“ bekannt, da die Frauen mit Egli-Material arbeiteten. Mit der Zeit war es allerdings unmöglich geworden, das benötigte Material von Doris Egli zu beschaffen. (#03)

Biblischen Figuren aus Württemberg wurden vorwiegend als „Egli-Figuren“ bekannt, da die Frauen mit Egli-Material arbeiteten. Mit der Zeit war es allerdings unmöglich geworden, das benötigte Material von Doris Egli zu beschaffen. (#03)

Biblische Figuren in Deutschland

Biblische Puppen in Deutschland gehen auf das Jahr 1978 zurück, als die deutsche Familie Knoch im Urlaub auf Familie Marty aus Luzern in der Schweiz traf. Ida Marty gab zu diesem Zeitpunkt bereits Kurse zur Herstellung der biblischen Puppen und zeigte der deutschen Familie den Herstellungsprozess. Pfarrer Knoch wurde dann 1980 Leiter von Stift Urach, dem Einkehrhaus der württembergischen Landeskirche und veranstaltet dort dann im Oktober 1981 der erste Figurenkurs unter der Leitung von Ida Marty.

Knoch und Marty wollte die Verwendung der Figuren aber nicht nur auf die Krippen beschränken, sondern sie auch für die Darstellung und Veranschaulichung verschiedener biblischer Texte aus dem alten und dem neuen Testament verwenden. Deshalb wurden auch bald Gestaltungswochenenden mit bereits hergestellten Figuren angeboten. Die Teilnehmerinnen konzentrierten sich dabei ganz Bibeltexte und deren Umsetzung in die Gegenwart. Bis 1994 hatte Ida Marty insgesamt 32 Werk-, Leiter- und Gestaltungskurse in Stift Urach veranstaltet.

Im Februar 1983 fand dann der erste Leiterkurs mit Doris Egli statt. Von ihr hatte man sich neue und wertvolle neue Impulse erhofft. Da diese Erwartungen eher unerfüllt blieben, beschlossen Ida Marty und Werner Knoch, die Leiterinnenausbildung selber in die Hand zu nehmen. 1994 zogen sich Marty und Knoch aus der Arbeit mit den biblischen Figuren zurück und Marie-Luise Pöpel und Sigrid Meyer übernahmen die Kurse von Marty. Die Kurse mit den biblischen Figuren blieben in der Gemeinde fester Bestandteil des Programms und wurden sogar ausgeweitet.

 

 Biblische Figuren werden vor allem im Religionsunterricht, bei der Seelsorge und bei der Gemeindearbeit wie etwa dem Kommunionunterricht verwendet, um die Inhalte der Bibel anschaulicher und begreifbarer zu machen. (#04)

Biblische Figuren werden vor allem im Religionsunterricht, bei der Seelsorge und bei der Gemeindearbeit wie etwa dem Kommunionunterricht verwendet, um die Inhalte der Bibel anschaulicher und begreifbarer zu machen. (#04)

Biblischen Figuren aus Württemberg wurden vorwiegend als „Egli-Figuren“ bekannt, da die Frauen mit Egli-Material arbeiteten. Mit der Zeit war es allerdings unmöglich geworden, das benötigte Material von Doris Egli zu beschaffen. Es gab immer öfter Lieferschwierigkeiten und infolgedessen kam es zu Hamsterkäufe. Auf der Suche nach neuen Materialquellen kam man dann mit der Gruppe in Kontakt, die sich in der Schweiz mit Egli verkracht hatte und stellten fest, dass deren Material dem Egli-Material mindestens ebenbürtig war. Mit diesem „neuen“ Material durfte der Kreis der Egli-orientierten Kursleiterinnen aber nicht arbeiten.

Nachdem mehrere Vermittlungsversuche gescheitert waren, entschlossen sich die Kursleiterinnen aus Württemberg, ihren eigenen Verein zu gründen. Im April 1997 kam es im Stift dann zur Gründung des gemeinnützigen Vereines Arbeitsgemeinschaft Biblische Figuren – ABF e. V. Diesem neu gegründeten Verein trat die deutliche Mehrheit der damaligen Kursleiterinnen bei. Doris Egli allerdings zog sich anschließend aus dem Stift zurück. Das Angebot des Vereins wuchs stätig und die Bekanntheit und Beliebtheit der Figuren weitet sich immer weiter ins Ausland aus. Biblische Figuren-Kurse finden in Finnland, Luxemburg, Frankreich, Österreich und weiteren Ländern statt.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbld: Juan Aunion -#01: Alonso Aguilar -#02: PongMoji   -#03: Nina Skarga  -#04: ChameleonsEye

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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