Corona-Insolvenzen: So schützen sich Unternehmer gegen Liquiditätsprobleme

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Die mehr oder weniger regierungsgemachte Corona-Krise hält die Wirtschaft in Atem und führt Unternehmen auf direktem Wege in die Corona-Insolvenz. Freiberufler und Selbstständige sind nun gefordert, um den finanziellen Überblick zu behalten.

Insolvenzen durch Corona: Rund ein Fünftel der Unternehmen ist gefährdet

Die aktuellen Konjunkturdaten weisen darauf hin, dass rund ein Fünftel der Unternehmen durch Corona bedroht ist. Insolvenzen scheinen ab Herbst an der Tagesordnung zu sein, Unternehmen fühlen sich nicht mehr nur in der Liquidität beschränkt, sondern in der Existenz bedroht.

Drohen Insolvenzen durch Corona?

Die Antwort darauf ist ein klares Ja, denn momentan scheint sich eine ganze Welle von Insolvenzen anzukündigen. Vor allem Dienstleistungsunternehmen sehen sich bedroht, doch auch Handel und Industrie klagen. Nur die Baubranche scheint derzeit noch keine Probleme zu haben.

Die aktuellen Prozentzahlen zur Existenzbedrohung verteilen sich wie folgt: (Quelle)

  • Reisebüros und Reiseveranstalter: 85 Prozent
  • Hotels: 76 Prozent
  • Gaststätten: 67 Prozent
  • Künstler, Kreative und Solo-Selbstständige: 55 Prozent
  • Schifffahrt: 50 Prozent
  • Filmbranche: 48 Prozent

Vielen wird dabei vorgeworfen, dass Sie doch den Überblick dank betriebswirtschaftlicher Auswertung hätten und rechtzeitig reagieren könnten. Doch wie soll reagiert werden, wenn die Krise künstlich am Leben gehalten wird?

Video: Corona-Krise: Experten befürchten Insolvenzwelle ab Herbst

Welche Probleme haben Solo-Selbstständige?

Viele Solo-Selbstständige sind dank Corona besonders stark betroffen. Ihnen bleiben die Kunden weg, weil kaum noch Aufträge erteilt werden. Jedes Unternehmen spart und versucht, möglichst keine Aufträge zu verteilen. Gleichzeitig sind staatliche Hilfen, die den Unternehmen aus der Krise helfen sollen, für sie nicht nutzbar. Denn: Diese Soforthilfen sind nur dazu gedacht, um die Betriebskosten zahlen zu können.

Wer jedoch allein selbstständig ist und beispielsweise am Rechner seine Leistungen erbringt, hat keine hohen Betriebskosten. Gleichwohl bleiben Kunden weg, die allgemeine Lebenshaltung ist schon bedroht. Nicht wenige sind mittlerweile in die Grundsicherung abgerutscht und stehen mit großer Sicherheit auf der Liste der Unternehmen, die durch Insolvenzen vom Markt verschwinden werden.

Egal, ob es die Textilbranche oder das Druckgewerbe ist, ob es um Automobilhersteller oder um diverse Zulieferer geht: Sie alle sind von Corona betroffen und es drohen überall Insolvenzen. ( Foto: Shutterstock- I MAKE PHOTO 17 )

Egal, ob es die Textilbranche oder das Druckgewerbe ist, ob es um Automobilhersteller oder um diverse Zulieferer geht: Sie alle sind von Corona betroffen und es drohen überall Insolvenzen. ( Foto: Shutterstock- I MAKE PHOTO 17 )

Welche Branchen sind in der Industrie betroffen?

Egal, ob es die Textilbranche oder das Druckgewerbe ist, ob es um Automobilhersteller oder um diverse Zulieferer geht: Sie alle sind von Corona betroffen und es drohen überall Insolvenzen. Zahlungsausfälle der Kunden dauern an, die eigene Liquidität wird immer stärker eingeschränkt.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform gibt zwar an, dass die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2020 sogar um 8,2 Prozent rückläufig war, doch die eigentlichen Schäden werden ab Herbst erwartet. Der Grund: Insolvenzen müssen derzeit nicht angemeldet werden, diese Pflicht ist bis Ende September ausgesetzt.

Zudem sind momentan noch die staatlichen Hilfen erhältlich, die dann ebenfalls auslaufen. Ökonomen rechnen daher damit, dass ab Herbst eine wahre Welle von Insolvenzen auf das Land niederbrechen wird, von der alle Branchen betroffen sein werden.

Welche Unternehmen sind bereits jetzt insolvent?

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, all die kleinen Dienstleistungsbetriebe aufzuzählen, die von Corona dahingerafft wurden. Doch auch bekannte Unternehmen haben bereits Insolvenz angemeldet. Darunter finden sich Namen wie Esprit, Galeria Karstadt Kaufhof, Hallhuber oder die Restaurantketten Maredo und Vapiano. Kein Wunder, dass viele kleine Unternehmer verzweifeln, wenn doch bereits solche Namen totgesagt sind!

Video: CORONAVIRUS IN EUROPA: So Insolvenzen wegen Corona-Krise verhindert werden

Liquidität überwachen: Buchführung in der Corona-Zeit

Nicht alle Unternehmen sind zur Buchführung verpflichtet, doch die meisten müssen sich nun umso mehr darum kümmern. Denn: Nur im Rahmen der ordnungsgemäßen Buchführung ist es möglich, in der durch Corona verursachten Krise den Überblick über die Finanzen zu behalten. Die BWA mag keinen Spaß machen, doch wirklich drum herum kommt kein Unternehmer in der aktuellen Zeit.

Was bringt die BWA?

Viele Unternehmer kennen zwar die BWA, doch sie wird häufig nur dazu genutzt, den Erfolg des letzten Geschäftsjahres mit dem davor zu vergleichen. Dabei kann die BWA im Rahmen der Buchführung noch viel mehr! Gerade aktuell zeigt sich, dass sich hiermit die Liquidität überwachen lässt und Zahlungsausfälle verhindert oder wenigstens rechtzeitig erkannt werden können.

Fehlentwicklungen werden sichtbar und es ist dank der BWA möglich, rechtzeitig in die Steuerung des Unternehmens einzugreifen. Im besten Fall lassen sich damit Insolvenzen verhindern und ist das nicht ein Grund, sich intensiver mit der BWA zu befassen?

Wichtig ist in dem Zusammenhang auch das Controlling: Kennzahlen, Trends und Grafiken zeigen, welche finanziellen Möglichkeiten das eigene Unternehmen noch hat.  ( Foto: Shutterstock-_Model Republique   )

Wichtig ist in dem Zusammenhang auch das Controlling: Kennzahlen, Trends und Grafiken zeigen, welche finanziellen Möglichkeiten das eigene Unternehmen noch hat. ( Foto: Shutterstock-_Model Republique )

Was können Planung und Controlling in der Buchführung?

Auf der einen Seite steht die Planung der Finanzen eines Unternehmens. Diese mag im letzten Jahr noch gut gewesen sein, doch Corona hat die gesamte Planung zum Einstürzen gebracht. Um Insolvenzen eventuell noch verhindern zu können, ist jetzt schnelles Handeln wichtig. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht kann erst einmal genutzt werden, zumal Ökonomen sogar davon ausgehen, dass sich ein V-Szenario herstellen ließe.

Dabei wird davon ausgegangen, dass zwar ein rascher Absturz der Unternehmen durch Corona vorhanden sein, gleichzeitig aber ein schnelles Erholen der Wirtschaft mit starkem Wachstum in die Breite möglich sei. Skeptiker gehen zwar nicht ganz so optimistisch an die Bewältigung der Krise, aber jedes einzelne Unternehmen sollte nun die Möglichkeiten nutzen, um sich schneller wieder wettbewerbsfähig aufzustellen.

Die bisherig Planung muss auf die aktuelle Situation angepasst werden. Das heißt, dass dank BWA ein Überblick über die eigene Liquidität vorhanden sein muss. Was kann das Unternehmen noch leisten und wo muss es sparen? Um das Überleben zu sichern, ist Kurzarbeit nicht immer der richtige Weg, eventuell müssen einzelne Mitarbeiter gehen.

Kunden müssen angeschrieben und Aufträge aktiv eingeworben werden. Zahlungsaufschübe, Stundungen der Steuerzahlungen, Ratenzahlungen: All das sind Möglichkeiten, um die Liquidität zu erhalten und damit ggf. kreditwürdiger zu sein.

Wichtig ist in dem Zusammenhang auch das Controlling: Kennzahlen, Trends und Grafiken zeigen, welche finanziellen Möglichkeiten das eigene Unternehmen noch hat.

Video: Insolvenzrecht – Neuerungen während der Corona Krise

Die Kunden nicht vergessen!

Mit der Aussage ist aber nicht gemeint, dass die Kunden nur umworben werden müssen. Unternehmer müssen nun auch eine Entscheidung treffen: Welche Kunden sind noch zahlungsfähig?

Um von den Folgen anderer Unternehmen, die Insolvenzen anmelden, verschont zu bleiben, muss die Auswahl der Kunden ggf. wohl überlegt getroffen werden. Unternehmen müssen dafür eine Art Frühwarnsystem entwickeln und gerade bei größeren Aufträgen, die ein hohes Finanz- und Materialvolumen aufweisen, genauer hinschauen: Werden diese Kunden zahlungsfähig sein? Abschlagszahlungen und Vorausfinanzierungen werden teilweise nötig werden, um Zahlungsausfälle zu vermeiden.

Ob allerdings ein jahrelang erworbenes Vertrauen unter den einzelnen Unternehmen solch ein Verhalten überstehen kann, bleibt fraglich. Leider muss wohl jedes Unternehmen für sich nun sagen, dass es sich selbst am nächsten ist, und über eine ordentliche Buchführung, eine rechtzeitige Planung und regelmäßiges Controlling versuchen, den eigenen Betrieb zu erhalten.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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