Posted on 10. Dez 2018 in Top | 1 Kommentar

Unter Fair Trade versteht man den regulierten Handel von Erzeugnissen, die in erster Linie aus Entwicklungsländern eingeführt werden. Ziel der Regulierung, die sich vor allem auf landwirtschaftliche Produkte bezieht, ist die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards.

Fair Trade ist Öffentlichkeitsarbeit für gerechteren Konsum

Das Fairtrade Siegel hat sich zu einem Synonym für den fairen Handel entwickelt, steht aber in Wirklichkeit nur für eine Siegelinitiative, von denen es mehrere gibt. Durch die Regulierung des Handels soll die Ausbeutung von Kleinbauern und ihren Familien beendet werden, die Zahlung fairer Preise soll diesen kleinen Erzeugern Planungssicherheit ermöglichen.

Somit ist das Fairtrade Siegel ein Element der Zusammenarbeit zwischen Industrieländern und den sogenannten Entwicklungsländern, aus denen viele Produkte sehr günstig in die Industrienationen eingeführt werden. Obwohl Fair Trade inzwischen auch bei anderen Produkten (insbesondere Textilien) ein Begriff geworden ist, wird das Siegel vor allem bei landwirtschaftlichen Produkten verwendet.

Die wichtigsten europäischen Märkte für fair gehandelte Erzeugnisse sind:

  • Deutschland
  • Frankreich
  • Irland

Am häufigsten mit dem Fairtrade Kennzeichen gehandelt werden folgende Produkte
(Umsatz in Mio. Euro, Stand: 2017):

  • Kaffee: 441,96
  • Bananen: 159,16
  • Textilien: 129,16
  • Blumen: 121,88
  • Eiscreme: 107,29

Quelle: Statista

Insgesamt wurden in Deutschland 1,33 Milliarden Euro mit Produkten umgesetzt, die das Fairtrade Siegel besitzen (Anstieg zum Vorjahr: 15 Prozent). Die Bekanntheit des Siegels beträgt bei deutschen Konsumenten 86 Prozent, wobei 95 Prozent angeben, dem Siegel auch tatsächlich zu vertrauen.

Damit liegt Fair Trade beim Vertrauen deutlich über dem ökologischen Bio-Siegel, das oft irrtümlich mit Fairtrade gleichgesetzt wird. Bio-Produkte können Fairtrade sein und umgekehrt, aber beides bedingt einander nicht automatisch!

Damit liegt Fair Trade beim Vertrauen deutlich über dem ökologischen Bio-Siegel, das oft irrtümlich mit Fairtrade gleichgesetzt wird. Bio-Produkte können Fairtrade sein und umgekehrt, aber beides bedingt einander nicht automatisch!

Damit liegt Fair Trade beim Vertrauen deutlich über dem ökologischen Bio-Siegel, das oft irrtümlich mit Fairtrade gleichgesetzt wird. Bio-Produkte können Fairtrade sein und umgekehrt, aber beides bedingt einander nicht automatisch!(#01)

Kritik an der Siegelinitiative Fairtrade wächst

Seit einiger Zeit wird immer häufiger Kritik am Fairtrade Siegel und seinen Entsprechungen anderer Anbieter geübt. Dabei muss man zunächst einmal die verschiedenen Projekte auseinander halten. Während die Organisation Transfair hinter dem Siegel Fairtrade steht, gibt es noch weitere Fair Trade Anbieter auf dem Markt.

Die bedeutendsten sind:

  • Fairtrade
  • World Fair Trade Organization
  • Fair Trade Company
  • Naturland
  • Rapunzel
  • UTZ

Die unterschiedlichen Gesellschaften verfolgen verschiedene Ansätze bei der Produzentenauswahl für ihre Produkte. Manche bevorzugen die Zusammenarbeit mit Genossenschaften und anderen Kooperativen, andere arbeiten mit mittelständischen Firmen zusammen. Abhängig ist dies häufig vom Umfang des angebotenen Warensortiments.

Wichtig für den ökologischen und sozialverträglichen Konsum ist die Transparenz der Produktionskette. Darüber hinaus prüfen die Fair Trade Organisationen ihre Mitglieder regelmäßig, ob die verlangten Standards beim Handel mit ihren Produkten eingehalten werden.

Kritisiert wird häufig das begrenze Sortiment, das sich bislang vor allem auf landwirtschaftliche Erzeugnisse beschränkt. Obwohl auch immer mehr Textilien ein entsprechendes Siegel tragen, ist die Herstellung dieser Produkte um einiges komplexer als etwa die Zucht von Bananen. Gerade bei fertig produzierten Textilien kann eine Garantie für die Einhaltung der Bestimmungen bei allen Produktionsschritten nur schwer gegeben werden. Insgesamt schärfen die Fair Trade Siegel auch das Bewusstsein der Konsumenten, die auf das Problem aufmerksam gemacht werden.

Die Begriffe verschwimmen manchmal, denn streng genommen ist „Fairtrade“ ein Markenzeichnen, das bestimmte Produkte mit einem Siegel versieht.

Die Begriffe verschwimmen manchmal, denn streng genommen ist „Fairtrade“ ein Markenzeichnen, das bestimmte Produkte mit einem Siegel versieht.(#02)

Fair Trade ist nicht identisch mit Fairtrade

Die Begriffe verschwimmen manchmal, denn streng genommen ist „Fairtrade“ ein Markenzeichnen, das bestimmte Produkte mit einem Siegel versieht. Ist von Fair Trade die Rede, ist das Konzept an sich gemeint, aber nicht zwangsläufig ein bestimmtes Siegel. Viele Menschen unterscheiden dies nicht und halten Fairtrade einfach für ein allgemeingültiges Synonym für Waren aus fairem Handel. Für die meisten Siegel gelten ähnliche Bedingungen, wobei sie im Einzelnen voneinander abweichen und unterschiedliche Philosophien verfolgen.

Generell kommen aber eigentlich immer soziale, ökologische und wirtschaftliche Kriterien zur Anwendung, da der faire Handel nach Möglichkeit auch immer ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich profitabel für die Erzeuger sein soll.

  • Beim Fairtrade-Siegel funktioniert dies folgendermaßen: Bei Kooperativen werden nur demokratisch organisierte Gemeinschaften unterstützt
  • in der Arbeit auf Plantagen unterstützt Fairtrade die Bildung gewerkschaftlicher Strukturen und achtet auf die Einhaltung geregelter Arbeitsbedingungen.
  • Diskriminierung und insbesondere die Ausbeutung von Kindern sind verboten.
  • Um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, wird ein ökologischer und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen beim Anbau der Produkte erwartet.
  • Gen-Food oder der Einsatz gefährlicher Pflanzenschutzmittel sind nicht erlaubt. Allerdings erreicht das Siegel in dieser Hinsicht nicht dieselben Standards wie etwa das Bio-Siegel.

Wirtschaftlich betrachtet, zahlt Fairtrade für die Produkte einen Mindestpreis und schüttet Prämien für die Einhaltung aller Vorgaben aus. Langfristige und transparente Beziehungen mit den Handelspartnern sind das Ziel. Um Händler und Produzenten schon zu Beginn zu unterstützen, werden manche Produkte durch Fairtrade vorfinanziert.

Kritisiert wird bei den verschiedenen Siegeln der häufig bemühte Mengenausgleich. Dabei werden faire und unfaire Waren miteinander gemischt.

Kritisiert wird bei den verschiedenen Siegeln der häufig bemühte Mengenausgleich. Dabei werden faire und unfaire Waren miteinander gemischt.(#03)

Verwässert der Mengenausgleich das Fairtrade Prinzip?

Kritisiert wird bei den verschiedenen Siegeln der häufig bemühte Mengenausgleich. Dabei werden faire und unfaire Waren miteinander gemischt. Dies ist besonders dann der Fall, wenn es sich um Produkte handelt, die nicht nur aus einer Zutat bzw. einem Grundstoff bestehen. Wird zum Beispiel Fruchtsaft oder Tee angeboten, die nur zu einem bestimmten Teil aus fair gehandelten Rohstoffen bestehen, greift der sogenannte Mengenausgleich.

Ein entsprechender Hinweis muss allerdings auf der Packung angebracht sein. Unproblematisch ist dies in der Regel bei Kaffee, weil dieser normalerweise nur aus dem Rohstoff einer Bezugsquelle besteht. Hinzu kommen Mischprodukte, bei denen der Anteil an Fairtrade-Zutaten mindestens 20 Prozent des Normgewichts betragen muss und prinzipiell alle Zutaten, die als Fairtrade-Rohstoffe vorhanden sind, auch aus solchen Quellen stammen müssen.

Beim reinen Bezug von Rohstoffen, die auf andere Produkte verteilt werden, können Hersteller von bestimmten Produkten wie Kakao, Zucker und Baumwolle die 20-Prozent-Regel umgehen, sofern sie die Abnahme einer Mindestmenge von Fairtrade-Rohstoffen garantieren. Allerdings gibt es für diese Produkte kein Fairtrade-Siegel, sondern entsprechende andere Kennzeichen, damit der Konsument die Unterschiede erkennen kann.

Im Falle des Fairtrade-Markenzeichens kontrolliert der Verein Transfair e.V. die Einhaltung der Vorgaben bei den beteiligten Partnern. Gebildet wird der Verein aus einer Vielzahl von Organisationen verschiedener Bereiche, die gemeinsam die Standards festlegen und überprüfen.

Im Falle des Fairtrade-Markenzeichens kontrolliert der Verein Transfair e.V. die Einhaltung der Vorgaben bei den beteiligten Partnern. Gebildet wird der Verein aus einer Vielzahl von Organisationen verschiedener Bereiche, die gemeinsam die Standards festlegen und überprüfen.(#04)

Wer kontrolliert die Fair Trade Vergaberegeln?

Im Falle des Fairtrade-Markenzeichens kontrolliert der Verein Transfair e.V. die Einhaltung der Vorgaben bei den beteiligten Partnern. Gebildet wird der Verein aus einer Vielzahl von Organisationen verschiedener Bereiche, die gemeinsam die Standards festlegen und überprüfen.

Dazu gehören beispielsweise Organisationen aus dem Bereich

  • der Sozialarbeit,
  • des Verbraucherschutzes,
  • der Kirche,
  • der Politik,
  • des Umweltschutzes,
  • der Entwicklungszusammenarbeit.

Insgesamt sind über dreißig Organisationen an Transfair beteiligt. Trotz dieser umfangreichen Kontrolle kommt immer wieder Kritik an manchen Vorgängen innerhalb der Organisationen auf. So zahlen die Kunden zwar für fair gehandelte Produkte zum Teil deutlich mehr als für nicht zertifizierte Waren, doch der Preisaufschlag kommt längst nicht immer im vollen Umfang bei den Produzenten der fair gehandelten Waren an.

Die Hintergründe dafür werden durch die Öffentlichkeitsarbeit der Organisationen oft nicht besonders transparent kommuniziert, was die Nachvollziehbarkeit für die Verbraucher erschwert und unnötig verkompliziert.

Es ist natürlich nicht einfach, das Bewusstsein für Fair Trade bei der Bevölkerung zu verankern, wenn man dabei nicht die Supermärkte und Discounter ins Boot holt.

Es ist natürlich nicht einfach, das Bewusstsein für Fair Trade bei der Bevölkerung zu verankern, wenn man dabei nicht die Supermärkte und Discounter ins Boot holt.(#05)

Was bleibt bei Fair Trade für die Produzenten der Waren übrig?

Es ist natürlich nicht einfach, das Bewusstsein für Fair Trade bei der Bevölkerung zu verankern, wenn man dabei nicht die Supermärkte und Discounter ins Boot holt. Ähnlich wie bei der Verbreitung von Bio-Produkten haben sie einen maßgeblichen Anteil daran, die fair gehandelten Produkte in größeren Mengen einem breiteren Publikum anbieten zu können. Allerdings wird gerade an der Beteiligung der Discounter häufig Kritik geübt.

So wird zum einen bemängelt, dass nur ein kleiner Teil des Sortiments (quasi als Alibi-Produkte) aus dem fairen Handel stammen und gleich neben den fair gehandelten Bananen eine große Kiste von konventionell gehandelten Früchten steht, welche die Händler natürlich nicht großartig kennzeichnen. Für die Verbraucher ist der Unterschied oft nicht zu erfassen und könnte dazu führen, dass der Käufer in Richtung der traditionell gehandelten Produkte gelenkt wird.

Außerdem verdient der Einzelhandel proportional immer noch wesentlich mehr am fairen Handel als die Produzenten – die Diskrepanz beim Preisaufschlag für die Waren im Bezug zu dem, was die Erzeuger davon erhalten, haben wir bereits angesprochen. So kann es durchaus sein, dass der Kunde guten Gewissens ein Fairtrade-Produkt einkauft, von dem hohen Mehrpreis aber nur wenige Cent beim Produzenten ankommen.

Kritiker des Systems fordern, ein größeres Augenmerk auf den Anteil des Einzelhandels zu legen und nicht immer nur die politischen Umstände in den Partnerländern für die Preisgestaltung verantwortlich zu machen.

Die irrtümliche Gleichsetzung zwischen Bio und Fair Trade ist ebenso ein Problem wie die teilweise intransparente Handhabung von Details, wie etwa beim Kennzeichnen von Mischprodukten.

Die irrtümliche Gleichsetzung zwischen Bio und Fair Trade ist ebenso ein Problem wie die teilweise intransparente Handhabung von Details, wie etwa beim Kennzeichnen von Mischprodukten.(#06)

Fazit: Die Fair Trade Siegel haben Vor- und Nachteile

Sicherlich steigern die fair gehandelten Produkte das Bewusstsein bei Verbrauchern und Einzelhändlern, damit der Handel in der Welt gerechter abläuft. Die irrtümliche Gleichsetzung zwischen Bio und Fair Trade ist ebenso ein Problem wie die teilweise intransparente Handhabung von Details, wie etwa beim Kennzeichnen von Mischprodukten.

Auch die Absenkung von Standards stößt auf Kritik – so mussten bis 2011 nicht 20 Prozent, sondern 50 Prozent einer Produkts aus fair gehandelten Zutaten bestehen, um die Zertifizierung zu bekommen. Dass Discounter generell für eine stärkere Verbreitung des Fair Trade Gedanken sorgen, darf nicht durch unfaire Gewinnmargen verwässert werden.


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