Absolut teuerste Teppiche der Welt: Preis wurde teils völlig unterschätzt

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Die teuersten Teppiche der Welt liegen bei über 34 Millionen Euro. Kaum zu glauben, doch Sammler bezahlen liebend gern derartige Höchstpreise für teuerste Schmuckstücke. Den Auktionator freut’s.

Die teuersten Teppiche der Welt: Die Top 5 Liste

Welcher ist der teuerste Teppich? Und bewegt sich ein Teppich, der als teuer beworben wird, immer im gleichen Preissegment? Die Unterschiede sind groß und die teuersten Teppiche der Welt sprengen jegliche Vorstellungskraft bezüglich realistischer Preise.

Vergleicht man die Preise im Shop von Sotheby‘s mit jenen, die man in Deutschland bezahlt, wenn man seinen Teppich online kaufen will, wird einem etwas heiß und kalt zugleich.

Platz Nr. 5: Der Ardebil-Teppich

Geht es um die teuersten Teppiche der Welt, so darf auch der Ardebil-Teppich mitspielen. Allerdings ist er im Vergleich zu den anderen Teppichen schon fast ein Schnäppchen und bei Weitem nicht so teuer wie andere Modelle. Einst wurde er für 3.000 Dollar gekauft und heute ist er im Victoria and Albert Museum in London zu bewundern.

Der „heilige Teppich“ wurde im 16. Jahrhundert und hier im Jahr 1539 durch Schah Tahmasp I. in Auftrag gegeben, damit dieser einen Schrein schmücken konnte. Der Schrein selbst stand in einer Moschee in Ardebil, daher auch der Name des Teppichs. Bis zum Jahr 1890 wurde er dort aufbewahrt, danach ging er an einen Unterhändler der Teppichmanufaktur Ziegler nach London.

Das Bemerkenswerte ist die feine Knüpfung mit mehr als 26 Millionen Knoten (520.000 Knoten pro Quadratmeter). Der Grund besteht aus feinster Seide, der Flor aus reiner Wolle. Der Teppich hat einen geheimen Zwilling, der zeitgleich mit diesem hergestellt wurde. Auch er wurde im Jahr 1890 verkauft und wurde von verschiedenen Geschäftsleuten aufgekauft und dann wieder verkauft. Sein Höchstpreis lag bei 70.000 Dollar. Das war im Jahr 1953, als der Teppich dem Museum of Art in Los Angeles übergeben wurde, wo er auch heute noch zu sehen ist.

Welcher ist der teuerste Teppich? Und bewegt sich ein Teppich, der als teuer beworben wird, immer im gleichen Preissegment?  ( Foto: Shutterstock-emei)

Welcher ist der teuerste Teppich? Und bewegt sich ein Teppich, der als teuer beworben wird, immer im gleichen Preissegment? ( Foto: Shutterstock-emei)

Platz Nr. 4: Der Perlen-Teppich

Auftraggeber für diesen besonderen Teppich war Maharadscha Gaekwar Khande Rao, der mit dem Exemplar das Grab des Propheten Mohammed schmücken wollte. Der Teppich wurde aus Perlen geknüpft und ist daher so teuer.

Viele bekannte Juweliere verwendeten zwei bis drei Millimeter große Perlen – und davon rund 1,4 Millionen Stück! Die Perlen haben einen Wert von 30.000 Karat und wiegen rund sechs Kilogramm. Zudem wird der Teppich durch versilberte Gold-Brillanten geschmückt, dazu kommen versilberte Edelsteine wie Smaragde, Rubine und Diamanten.

Doch am Grab des Propheten kam das gute Stück nie an, es wanderte in die Schatzkammer des Maharadschas. Der einstige Kaufpreis lag angeblich bei 60 Millionen Rupien. Doch wie andere Teppiche auch unterlag dieses Modell dem Zahn der Zeit und einigen Diebstählen, sodass er heute nur noch in Teilen erhalten ist. Ein Auktionator in Katar konnte dennoch rund 5,5 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 4,3 Millionen Euro) dafür bekommen.

Diese Versteigerung fand im Jahr 2009 statt und wurde von dem angesehenen Auktionshaus Sotheby’s geführt. Hier wurde der Perlenteppich von Baroda, so sein vollständiger Name, als Teil der „Arts of the Islamic World“ angeboten. Sotheby’s hatte schon viele teuerste Teppiche unter dem Hammer, doch dieser hier war ein ganz besonderes Glanzstück der Auktion. Ein Meilenstein für Sotheby’s!

Auftraggeber für diesen besonderen Teppich war Maharadscha Gaekwar Khande Rao, der mit dem Exemplar das Grab des Propheten Mohammed schmücken wollte.  ( Foto: Shutterstock-emai)

Auftraggeber für diesen besonderen Teppich war Maharadscha Gaekwar Khande Rao, der mit dem Exemplar das Grab des Propheten Mohammed schmücken wollte. ( Foto: Shutterstock-emai)

Platz Nr. 3: Der Kirman Vasenteppich

Der teuerste Teppich? Das ist der Kirman Vasenteppich immer noch nicht! Er belegt lediglich Platz 3 und ist sogar recht unscheinbar. Für Schlagzeilen konnte er dennoch schon sorgen und das sogar hierzulande in Augsburg.

Man schrieb das Jahr 2009, als ein Auktionator in Augsburg den Wert des Teppichs auf 900 Euro schätzte. Eine Dame hatte ihn geerbt und zum Auktionshaus gebracht. Sie ließ ihn schätzen und wusste dann, dass das gute Stück nicht das teuerste sein würde. Doch das Auktionshaus erzielte beim Verkauf einen Preis von 20.000 Euro.

Ärgerlich für die Dame, doch der Käufer des Teppichs verkaufte das Teil wieder über das Auktionshaus Christie’s in London. Dieses wiederum schätzte den Wert auf 200.000 bis 300.000 Britische Pfund. Bei der Auktion selbst folgte dann die Überraschung für alle: Ein anonymer Bieter aus Nahost steigerte mit und der Teppich kam für 7,5 Millionen Euro unter den Hammer. Der einstige Wert aus Augsburg wurde damit deutlich übertroffen.

Die einstige Erbin des Teppichs zog danach vor Gericht, denn sie war der Meinung, sie hätte einen Anspruch auf Zahlung der Differenz zu den geschätzten 300.000 Pfund des Auktionshauses Christie’s. Ihr wurde ein Vergleich in Höhe von 85.000 Euro angeboten, diesen lehnte sie ab. Daraufhin verlor sie das Verfahren. So ging der Streit um den Teppich zu Ende, bei dem wohl nur der neue Käufer der Gewinner war.

Video: Die Enttäuschung ist groß Sarough Perserteppich → 80 Jahre alt, handgeknüpft BfR 3

Platz Nr. 2: Clark-Sickle-Leaf Teppich

Bis zum Jahr 2013 war der Kirman Vasenteppich der teuerste Teppich der Welt, doch dann kam er: der Clark-Sickle-Leaf-Teppich, der wahnsinnige 34 Millionen Dollar bei seinem Verkauf erzielte.

Auch er wurde auf einer Auktion von Sotheby’s versteigert und ist durch sein goldenes Sichelblatt-Muster auf dem roten Untergrund eindeutig zu erkennen. Die Corcoran Gallery of Art in Washington hatte das Modell eigentlich aus dem Besitz von William A. Clark übernommen, der als überzeugter Sammler teuerster Teppiche galt. Das Auktionshaus gab den Sichelteppich dann zur Versteigerung frei und erzielte den genannten Rekordpreis.

Damit wurden gleich zwei Weltrekorde eingefahren: Einmal für das teuerste islamische Kunstwerk, das je unter den Hammer kam und einmal als der teuerste Perserteppich. Dieser stammt aus dem 17. Jahrhundert und überbot die bisherigen Rekorde für teuerste Teppiche um das Dreifache (laut Sotheby’s).

Dabei hatte das Auktionshaus den Preis nur auf rund sechs Millionen Dollar geschätzt, doch letzten Endes kostete dieses bis dato teuerste Teil rund 500 Euro pro Quadratzentimeter. Hier hatten die Experten den Wert eindeutig unterschätzt! Bei der betreffenden Auktion wurden noch weitere Teppiche versteigert, die teilweise das Zehnfache des geschätzten Wertes erreichten.

Um einen wertvollen Teppich zu erkennen muss der Unterschied zwischen Hand- und Maschinenknüpfung erkannt werden. ( Foto: Shutterstock- _Jahanzaib Naiyyer)

Um einen wertvollen Teppich zu erkennen muss der Unterschied zwischen Hand- und Maschinenknüpfung erkannt werden. ( Foto: Shutterstock- _Jahanzaib Naiyyer)

Platz Nr. 1: Der Teppich von Bayeux

Dieses Modell steht ohne Zweifel an der Spitze und ist der teuerste Perserteppich der Welt. Es handelt sich um einen Wandbehang aus dem Mittelalter, genauer gesagt aus dem 11. Jahrhundert. Er wird bis heute in der namensgebenden Stadt in Frankreich ausgestellt.

Teppich wie ihn suchen Kenner vergeblich: Der Bayeux-Teppich ist knapp 70 Meter lang und rund 50 cm breit. Er erzählt verschiedene kurze Geschichten in Bildern und bietet dazu den erläuternden Text. Die Geschichte dreht sich darum, wie einst Wilhelm, der Herzog der Normannen, zum britischen König wurde.

In Teppichbildern ist hier ein Zeitraum von einem Jahr erzählt worden. Die Motive erklären sich von selbst, was angesichts der Tatsache, dass im Mittelalter nur wenige Menschen des Lesens mächtig waren, von Vorteil gewesen sein dürfte. Die Schlussszenen fehlen allerdings, rund ein Meter des Teppichs ging im Laufe der Zeit verloren.

Dieser Rekordteppich wurde nicht geknüpft wie andere Teppiche. Vielmehr wurde er gewebt, wofür hochwertiges Leinen verwendet worden ist. Darauf wiederum stickten Nonnen bunte Wollfäden. Nach den heutigen Definitionen ist der Bayeux-Teppich also eigentlich kein solcher, sondern nur ein Wandschmuck.

Es ist nicht bekannt, wer diesen Wandbehang damals überhaupt in Auftrag gegeben hat, möglicherweise war Bischof Odo von Bayeux daran beteiligt, er war der Halbruder von Herzog Wilhelm und ist selbst an mehreren Stellen in der Szenerie erkennbar.

Dieser Teppich bekam sogar sein eigenes Museum: Seit dem Jahr 1982 befindet er sich in einem eigens für ihn eingerichteten Museum. Zudem hat er es geschafft, zum UNESCO-Weltdokumentenerbe berufen zu werden. Damit dürfte der hohe Wert aus kultureller Sicht verdeutlicht worden sein.

Video: Das Comeback des Perserteppichs – Kabel eins – Abenteuer Leben am Sonntag 7. April 2019

All about carpets: Häufige Fragen rund um teure Teppiche

Was kostet ein persischer Teppich?

Ein persischer Teppich kostet zwischen 400 und 1.200 Euro, wenn er handgknüpft ist. Der Preis gilt für den Quadratmeter, sodass der Endpreis von der Größe des Teppichs abhängt. Teilweise werden persische Teppiche für Quadratmeterpreise von bis zu 4.000 Euro gehandelt. Manche Teppiche bringen es freilich auf weitaus höhere Werte, wie die oben stehende Rekordliste zeigt.

Warum ist ein Teppich so teuer?

Ein guter Teppich ist teuer, wenn er geknüpft und nicht gewebt wurde. Das Knüpfen ist deutlich aufwändiger. Außerdem spielen Knoten und Dichte der Knoten eine Rolle. Je dichter der Teppich geknüpft wurde, desto teurer ist er. Die Fertigung ist dann mit einem größeren Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden. Für einige Teppiche wurden schon zehn Jahre oder länger für die Herstellung benötigt.

Wie erkenne ich einen wertvollen Teppich?

Um einen wertvollen Teppich zu erkennen, muss der Unterschied zwischen Hand- und Maschinenknüpfung erkannt werden. Ein maschinengeknüpfter Teppich besitzt Fransen, die nicht angenäht sind, was sich durch die Bewegung aller Fransen beim Ziehen an nur einer Franse zeigt.

Maschinengeknüpfte Teppiche sind außerdem perfekt und haben keine Fehler. Echte und damit wertvolle Teppiche hingegen haben unterschiedlich große Knoten oder teilweise sogar Fehler in der Farbfolge. Außerdem sind echte Teppiche nicht überall gleich breit oder lang, es gibt in Bezug auf die Maße immer leichte Abweichungen.

Video: Teppich verkaufen: Vorsicht vor unseriösen Händlern | Markt | NDR

Was macht einen guten Teppich aus?

Ein wichtiges Kennzeichen für einen guten Teppich ist die Anzahl der Knoten. Je mehr Knoten vorhanden sind, desto mehr Arbeit wurde in das Teil investiert und desto haltbarer ist der Teppich. Außerdem ist die Qualität des Garns ein wichtiger Punkt. Naturgarnteppiche sollen aus einem Herstellungsgarn gefertigt sein, das einen möglichst hohen Fettgehalt aufweist. Damit ist der Teppich besser vor Verschmutzungen und Abnutzung geschützt.

Was kostet ein echter Perserteppich?

Echte Perserteppiche aus Schafwolle kosten ab 1.500 Euro in den einfachen Ausführungsvarianten. Sind Seidenanteile enthalten oder ist der Teppich ganz aus Seide gefertigt, beginnen die Preise bei 5.000 Euro. Kommen noch ornamentale Muster hinzu, kann sich der Preis um rund zwanzig Prozent erhöhen.

Was ist mein alter Teppich wert?

Ein pauschaler Preis kann bezüglich des Werts eines alten Teppiches nicht genannt werden. Ausschlaggebend sind hier verschiedene Aspekte wie Alter, Zustand, Echtheit, Herstellungsgarn usw. Auch die Knotendichte spielt eine Rolle. Diese sollte so hoch wie möglich sein. Hohe Summen lassen sich für Teppiche erzielen, die mindestens 150.000 Knoten pro Quadratmeter aufweisen.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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