Posted on 4. Apr 2016 in Technik, Technologie, Top, Welt, Wirtschaft | Keine Kommentare

Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche Aufgabe Phosphor im Kreislauf des Lebens hat. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen der wichtigsten Rohstoffe für den Menschen und auch in der Produktion von Nahrungsmitteln. Noch immer ist es relativ normal, dass Phosphor aus Übersee in die Schweiz importiert wird. Doch der Kanton Zürich möchte diese Abhängigkeit ändern und setzt dafür das Urban Mining ein.

Was ist Urban Mining genau?

Der Kanton Zürich gilt als einer der Vorreiter des Urban Minings und das durchaus zu Recht. Im Prinzip handelt es sich hierbei um die Möglichkeit, aus Hinterlassenschaften, die durch die Gesellschaft hergestellt werden, Rohstoffe zu gewinnen. Übersetzt kann gesagt werden, dass aus Müll Gold entsteht. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um Gold im eigentlichen Sinne sondern um den Rohstoff Phosphor. Rohstoffe sind in der Schweiz nicht viele zu finden, das ist zumindest die einhellige Meinung. Allerdings kann der Kanton Zürich diese Aussage durchaus widerlegen und das wird durch Urban Mining erreicht. Mit neuartigen Techniken wird aus Klärschlamm Phosphor gewonnen. Das Recycling der besonderen Art sorgt dafür, dass der Kanton Zürich bald schon unabhängig von Importen in Bezug auf den Rohstoff werden kann.

Phosphor aus dem Klärschlamm retten

Bis heute landet viel Phosphor im Abfall. Eine lange Zeit war das kein Problem, denn Klärschlamm wurde als Dünger auf den Feldern im Bereich der Landwirtschaft eingesetzt. Der Rohstoff aus dem Klärschlamm konnte auf diese Weise wieder in den Boden eindringen und wurde so erneut in Umlauf gebracht. Bereits seit dem Jahr 2006 ist es aber nun verboten, den Klärschlamm auf den Feldern einzusetzen und das natürliche Recycling von Phosphor gehört damit der Vergangenheit an. Der Kanton Zürich hat schnell reagiert und Veränderungen an der zentralen Klärschlammverwertungsanlage vorgenommen. Ganz im Zuge von „Urban Mining“ wurde das Recycling nun selbst in die Hand genommen. Dank der neuen Anlage ist der Kanton Zürich in der Lage, den kompletten Phosphor aus dem Klärschlamm zu ziehen und konnte im Rahmen dieser Veränderung auch noch die Kosten für die Entsorgung vom Klärschlamm um über die Hälfte senken.

Dennoch ist die Schweiz bisher noch auf Importe von Phosphor angewiesen. Daher hat sich der Kanton Zürich ein weiteres Ziel gesetzt. Forscher sind auf der Suche nach einer Möglichkeit, um auf besonders umweltschonende Weise, den Phosphor aus der Klärschlamm-Asche zu ziehen. So kann er in einer reinen Form gewonnen werden und direkt in die industriellen Prozesse übergehen.

Erste Erfolge zeigen sich

An dem Erreichen des Ziels wird mit Hochdruck gearbeitet und erste Erfolge zeigen sich. Der Kanton Zürich arbeitet zusammen mit Técnicas Reunidas SA und hat eine Stiftung mitbegründet. Die Stiftung „Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung“ beschäftigt sich mit der Thematik der umweltschonenden Phosphorgewinnung. Bereits im Oktober 2015 gelang es den Forschern der Stiftung, aus der Klärschlamm-Asche Phosphorsäure zu gewinnen, die eine hohe Qualität aufweist. Nun prüfen die Stiftung sowie die Técnicas Reunidas SA gemeinsam, ob die Gewinnung von Phosphorsäure auf diese Weise auch in größerem Maßstab durchgeführt werden kann. Dafür wird eine Pilotanlage erbaut und auch durch den Kanton Zürich unterstützt. Hier gibt es einen Betrag in Höhe von 2 Millionen Franken bzw. eine Übernahme von 60% der Kosten, wenn diese Prozent unter den 2 Millionen Franken liegen. Den Rest trägt der Technologiepartner. Für den Kanton Zürich hat die Mitfinanzierung den Vorteil, dass er komplett an den Entwicklungsarbeiten teilhaben kann und eine Gratislizenz für das Verfahren erhält, wenn es Erfolg zeigt.

Das Phosphor Recycling aus Klärschlamm hat nicht nur in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Phosphor gilt als einer der Rohstoffe in Abfallprodukten, die besonders wertvoll sind. In der Nahrungsmittelproduktion nimmt er eine wichtige Stellung ein. Zwar kann er bisher noch aus Übersee importiert werden, doch auch hier lassen die Ressourcen langsam nach. Pro Jahr findet sich in der Schweiz im Klärschlamm so viel Phosphor, wie über Mineraldünger auch in das Land importiert wird. Daher möchte der Kanton nun dafür sorgen, dass gar kein Import mehr notwendig ist. In der Klärschlammverwertungsanlage wird derzeit die Klärschlamm-Asche gewonnen, die im Moment in einer speziell dafür vorgesehenen Deponie gelagert wird. Urban Mining ist für den Kanton Zürich also eine ideale Möglichkeit, von den Rohstoffen in den Abfällen zu profitieren und möglicherweise den eigenen Phosphor-Bedarf zu decken.

Der Regierungsratsbeschluss Nr. 58/2016

Alle Details entnehme man bitte dem Regierungsratsbeschluss Nr. 58/2016. Der nachfolgende Link fürht direkt zum Beschluss auf www.zh.ch.
Regierungsratsbeschluss Nr. 58/2016


Bildnachweis: © Fotolia – Andrei Merkulov

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.