Kosovo Heirat: Tradition für Sohn & Tochter

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Kosovo zählt zu den ärmsten Ländern der Welt – und doch gibt es ein Fest, bei dem die Kosovaren nicht geizen: die traditionelle Hochzeit für den Sohn oder die Tochter. Es ist eine alte kosovarische Tradition, ein großes und
Kosovo Heirat: Tradition und Moderne

 

Kosovo Heirat: Tradition für Sohn & Tochter

 

Traditionell haben in dem Südosteuropäischen Land die Eltern den zukünftigen Partner für den Sohn oder die Tochter nach Kriterien wie Wohlstand, Ansehen und Name ausgewählt. Heutzutage existieren vereinzelt ländliche Gegenden, in denen immer noch Vorschläge von den Eltern gemacht werden, diese jedoch auch seitens der Kinder abgelehnt werden können. In den Großstädten ist es üblich, sich seinen Partner selbst auszuwählen.

Doch auch wenn es sich bei dem Großteil der Eheschließungen im Kosovo um Liebeshochzeiten handelt – die Hochzeit ist häufig nach wie vor ein traditionelles Fest, welches bis zu sieben Tage dauern kann. Die Tradition besagt, dass der Bräutigam die Kosten dieses rauschenden Festes übernimmt – die Braut erhält jedoch Geldgeschenke, mit denen ebenfalls anfallende Ausgaben gedeckt werden sollen.

 

Was wird für den großen Tag gebraucht?

Für den großen Tag stehen der Braut mehrere Kleider zur Verfügung; ein Hochzeitskleid sowie einige Kleider für die langen Nächte. Häufig beginnt eine traditionelle kosovarische Hochzeit an einem Freitag und dauert bis zum Freitag der darauffolgenden Woche. Die ersten Tage der ausgiebigen Feier verbringen Braut und Bräutigam getrennt bei ihren Familien. Es wird gefeiert, traditionelle Lieder gesungen, gegessen, getrunken und getanzt.

Das Paar sieht sich während ihrer Hochzeit erst, wenn seine Familie die Braut bei ihrer Familie zu Hause abgeholt hat. Bei dieser Übergabe wird die Hochzeit traditionell besiegelt – das klassische Ja-Wort, wie es hier in Deutschland üblich ist, gibt es somit nicht im Kosovo.

 

Kostspieliges Hochzeitsfest eigenes Kind

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Heirat zwecks Aufenthaltsgenehmigung

Während sich 2003 nur 36 Paare in der kosovarischen Hauptstadt Pristina haben scheiden lassen, waren es 2007 bereits 127 Ehescheidungen. Dies ist für westeuropäische Verhältnisse eine geringe Rate – bedenkt man jedoch, welchen hohen Stellenwert die Hochzeit im Kosovo hat, ist diese Statistik doch erstaunlich. Grund dafür ist ein Trend, der sich vor allem in der männlichen Bevölkerung durchgesetzt hat: immer mehr kosovarische Männer heiraten eine einheimische Frau, lassen sich von dieser scheiden, um in einem westeuropäischen Land eine Frau zu heiraten mit dem Ziel, langfristige Aufenthaltsdokumente zu erhalten.

 

Nach einigen Jahren lassen sie sich von ihrer ausländischen Ehefrau scheiden, um mit der ersten Frau in einem westeuropäischen Land ein neues Leben beginnen zu können. Beweggründe für dieses neuzeitliche Verhalten sind die hohe Arbeitslosigkeit und die erschreckende Armut im Kosovo. Auch wenn Vertreter der großen kosovarischen Glaubensrichtungen dieses Vorgehen zutiefst verurteilen, gehen Männer diesen Weg, um ihre sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven zu verbessern, indem sie Aufenthaltsgenehmigungen eines westeuropäischen Landes durch eine Heirat erwerben.

Dieses Verhalten ist nicht unbekannt: bereits in früheren Jahrzehnten heirateten kosovarische Männer zum Zweck eines gesteigerten Ansehens und wirtschaftlichen Aufschwungs serbische Frauen, da diese zu diesem Zeitpunkt als Teil der mächtigsten Volksgruppe des damaligen Jugoslawiens angesehen wurden.

Im Gegensatz zu dem heutigen Phänomen hatten die Männer damals jedoch keine Motivation, sich von ihren Frauen scheiden zu lassen, im Gegenteil: häufig zog die Familie gemeinsam in die jugoslawische Hauptstadt Belgrad. Die Heirat einer westeuropäischen Frau zum Zweck der Papiererwerbung steigert enorm das Ansehen im modernen Kosovo, da viele junge Frauen von einem besseren Leben im Ausland träumen.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild-Sergey Bogdanov #1Romolo Tavani

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Iris Martin

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