Posted on 17. Sep 2018 in Gesundheit | Keine Kommentare

Mutation wird gerne als ein Fehler im Gencode bezeichnet, ist aber auch in der Lage dafür zu sorgen, dass sich die Eigenschaften eines Hundes in eine ganz neue Richtung entwickeln. Mutationen sind normalerweise nicht bewusst durch eine Züchtung zu erreichen. Sie treten unerwartet auf und haben schon für manche Überraschung gesorgt.

Die Mutation: Was verbirgt sich dahinter?

Um zu verstehen, was eine Mutation ist, ist es wichtig, sich mit dem Leben der Zellen zu beschäftigen. Die Zellen in einem Organismus werden immer wieder erneuert. Die DNA wird also kopiert und es kann bei diesem Prozess zu Mutationen kommen. Diese Mutationen passen nicht mehr zum Original der Zelle, die kopiert wurde. Die Mutationen sind in der Lage, für neue Genvarianten zu sorgen. Diese Genvarianten müssen nicht nur Nachteile mit sich bringen. Es ist auch möglich, dass sie dem Lebewesen einen Vorteil verschaffen. Allerdings sind sie ebenfalls ein Auslöser für mögliche Krankheiten, die den Körper stark beeinträchtigen können. Mutationen können auch in Keimzellen entstehen. Über die Spermien oder die Eizellen werden sie dann weitergegeben an die Nachkommen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Formen und Varianten, die sich auf den betroffenen Organismus auswirken können.

Auch im Bereich der Züchtung von Hunden werden immer wieder Mutationen beobachtet, die im Organismus eine Veränderung hervorrufen.

Video: Was ist eine genetische Mutation? – FUTUREMAG – ARTE

Die Mutation als Evolutionsfaktor

Die Mutation ist einer von mehreren Evolutionsfaktoren, die auftreten können. Von einem Evolutionsfaktor wird dann gesprochen, wenn durch einen Prozess der Genpool eine Veränderung erfährt. Diese Prozesse, die im Genpool stattfinden, werden auch als Ursachen angesehen, die Veränderungen in der Evolution hervorgerufen haben. Zu den bekanntesten Evolutionsfaktoren gehören:

  1. Der Gendrift: Der Gendrift ist eine Änderung im Genpool, die durch einen Zufall ausgelöst wird. Diese Veränderung hat meist nur dann eine Auswirkung, wenn sie in Bereichen von kleinen Populationen auftritt. Er kann auch dafür sorgen, dass es zu kompletten Veränderungen innerhalb von einer Population kommt.
  2. Die Rekombination: In diesem Fall wird eine neue Kombination der Erbanlagen der Erzeuger vorgenommen. Die Nachkommen sind dann der Träger dieser neuen Kombination.
  3. Die Selektion: Von einer Selektion wird gesprochen, wenn durch die Umwelt eine natürliche Auslese stattfindet. In diesem Fall ist es so, dass in der Population eine Variabilität entstehen soll. Im Bereich einer Population ist es so, dass hier eine größere Anzahl an Nachkommen entsteht, als später auch selbst Nachkommen zeugen wird. Wenn eines oder mehrere Individuen in diesem ahmen Merkmalausprägungen haben, die nachteilig sind, werden diese weniger Nachkommen zeugen. So sollen in der Population mehr der Erbanlagen weitergegeben werden, die sich vorteilig auswirken.
  4. Die Mutation: Auch die Mutation gehört zu den Evolutionsfaktoren und kann hier einen relevanten Beitrag leisten. Die spontanen Veränderungen, die in der DANN entstehen können, bringen neue Ausprägungen der Merkmale mit sich.
Wissenschaftler haben bei ihren Forschungen im Bereich der Genetik festgestellt, dass der Hund ein hervorragendes Modell für das Verstehen von komplexen genetischen Erkrankungen ist. (#1)

Wissenschaftler haben bei ihren Forschungen im Bereich der Genetik festgestellt, dass der Hund ein hervorragendes Modell für das Verstehen von komplexen genetischen Erkrankungen ist. (#1)

Auswirkungen von Gen-Mutationen auf das Sozialverhalten von Hunden

Nehmen wir nun einmal die Hunde als eine Grundlage, um Mutationen verstehen zu können. Eine Mutation war der Auslöser dafür, dass die Vierbeiner ihr Sozialverhalten verändert haben. So sind Hunde zwar von Natur aus sehr zugänglich Menschen gegenüber und suchen deren Nähe. Mit einer Mutation kam es jedoch dazu, dass sich ein hypersoziales Verhalten gebildet hat. Die Tiere werden bereits seit Jahrhunderten domestiziert und es kommt zur Entwicklung immer neuer Rassen.

Wissenschaftler wollten nun wissen, warum die Tiere eigentlich so sozial sind und wie sich dies mit Blick auf die Genetik erklären lässt. Studien haben gezeigt, dass es deutliche Unterschiede zwischen Hunden und Wölfen im Sozialverhalten gibt. Interessant ist, dass hier ein Vergleich mit einer Krankheit beim Menschen gezogen werden kann. Diese Krankheit wird als Williams-Beuren-Syndrom beschrieben. Bei dieser Erbkrankheit weisen erwachsene Menschen ein sehr stark kindliches Verhalten in Bezug auf die Anhänglichkeit auf. Allerdings sorgt die Veränderung im Genpool beim Menschen auch dafür, dass die geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Auslöser für diese Erkrankung finden sich auf dem sechsten Chromosom, das eine Mutation aufweist.

Auch bei Hunden soll eine Mutation der Grund für ihre Anhänglichkeit sein. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass bei den Hunden in der Genregion ebenfalls Mutationen zu finden. Es handelt sich dabei um die Region, die das Sozialverhalten steuert. Das heißt, die Domestikation der Vierbeiner hat nicht nur für Veränderungen beim Aussehen der Hunde gesorgt. Auch die Mutation von Genen wurde erreicht. Dass sich dies über die Jahre hinweg weiter ausgeprägt hat, liegt daran, dass vor allem Hunde weiter gezüchtet wurden, die ein sehr starkes soziales Verhalten zeigen.

Vom Wolf zum sozialen Hund: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei Hunden eine Mutation im Gen zu finden ist, die das Sozialverhalten steuert. (#2)

Vom Wolf zum sozialen Hund: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei Hunden eine Mutation im Gen zu finden ist, die das Sozialverhalten steuert. (#2)

Der MDR1-Defekt bei Hunden als Mutation in der Zucht

Eine Mutation, die bei einigen Rassen zu finden ist, ist der MDR1-Defekt. Hierbei handelt es sich um einen Defekt der dafür sorgt, dass ein Protein nicht richtig umgesetzt werden kann. Dieses Protein ist jedoch ein sehr wichtiger Teil im Bereich der Blut-Hirn-Schranke. Betroffene Hunde reagieren besonders überempfindlich gegenüber verschiedenen Arzneien, die ihnen eigentlich helfen sollen. Zu finden ist die Mutation vor allem bei Hunderassen, die in einer direkten Verbindung zur Rasse der Collies stehen. Doch welche Auswirkung hat dies auf die Zucht von Hunden?

Grundsätzlich kann es problematisch sein, wenn ein Hund den Defekt aufweist. Die Anweisung der Zuchtverbände lautet daher, betroffene Tiere so zu verpaaren, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Weitergabe des Defekts sinkt. Der Verband für das Deutsche Hundewesen hat klare Verpaarungsregeln aufgestellt, die seit 2009 für den Collie- und Sheltiezuchtverein auch binden sind. Das heißt, alle Zuchttiere müssen untersucht werden, ob der Defekt bei ihnen vorliegt. Wer mehr dazu erfahren möchte, der kann sich direkt an den Verband für das Deutsche Hundewesen wenden:

Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.
Westfalendamm 174
44141 Dortmund
Tel: 0231 5650 00
Mail: info@vdh.de
Web: www.vdh.de

Der MDR1-Defekt ist eine Mutation, die bei einigen Rassen, wie besispielswweise beim Collieauftreten kann. Doch nicht jeder Collie hat auch automatisch diesen Gendefekt. Den MDR1- Status seines Hundes kann man sehr einfach mit ein paar Tropfen Blut und einem hierfür vorgesehenen Gentest überprüfen lassen. (#3)

Der MDR1-Defekt ist eine Mutation, die bei einigen Rassen, wie besispielswweise beim Collieauftreten kann. Doch nicht jeder Collie hat auch automatisch diesen Gendefekt. Den MDR1- Status seines Hundes kann man sehr einfach mit ein paar Tropfen Blut und einem hierfür vorgesehenen Gentest überprüfen lassen. (#3)

Mutation als verantwortlicher Auslöser bei der Größe von Hunden

Mutationen können bei Hunden aber auch für deutliche Merkmale im Äußeren sorgen. Dazu gehört der Einfluss auf die Größe der Vierbeiner. Kleine Rassen, wie Terrier und Pekinesen, haben als Gemeinsamkeit eine Mutation auf einem Gen. Die Mutation findet sich im Bereich der Gene, die einen Einfluss auf das Wachstum der Hunde haben. Sehr auffällig ist der Einfluss einer Mutation auf die Größe bei den Portugiesischen Wasserhunden. Die Tiere weisen teilweise sehr deutliche Unterschiede in ihrem Größenwachstum auf. Bei den Tieren, die ein geringes Wachstum haben, ist eine Mutation auf dem IGF1 zu finden. Nachdem weitere Rassen untersucht wurden, zeigten sich auch hier die entdeckten Mutationen. Weniger zu finden waren die Mutationen dagegen bei Rassen, die große Hunde hervorbringen, wie Bernhardiner oder auch Doggen.

Spannend ist der Blick auf die Vergangenheit in der Züchtung der Hunde. So werden Terrier beispielweise bereits in Aufzeichnungen erwähnt, die mehr als 10.000 Jahre alt sind. Das heißt, die Mutation muss bereits sehr alt sein. Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass auch Wölfe diese Mutation zeigen. Das heißt, es kann nicht mehr nachverfolgt werden, in welchem Rahmen sie aufgetreten ist. Heute wird davon ausgegangen, dass bei der Zucht der Hunde auf einen kleinen Wolf zurückgegriffen wurde, dessen Erbgut sich nicht bis heute durchsetzen konnte. Gerade der Einfluss auf die Körpergröße ist sehr komplex, sodass hier deutlich wird, wie stark Mutationen wirklich arbeiten können.

Der Haarlosigkeit beim Peruanischen Nackhund (In Peru ist die Hunderasse auch unter dem Namen Viringo bekannt) liegt eine Mutationen zugrunde. Diese Mutation finden sich auch bei weiteren Nackthund-Rassen wieder. Auslöser ist eine 7-bp Duplikation im FOXI3-Gen. (#4)

Der Haarlosigkeit beim Peruanischen Nackhund (In Peru ist die Hunderasse auch unter dem Namen Viringo bekannt) liegt eine Mutationen zugrunde. Diese Mutation finden sich auch bei weiteren Nackthund-Rassen wieder. Auslöser ist eine 7-bp Duplikation im FOXI3-Gen. (#4)

Kein Fell: Wie die Mutation für nackte Hunde sorgt

Einige Hunderassen gelten unter haarlos. Sie weisen kein Fellwachstum auf. Besonders bekannt in diesem Bereich sind der Mexikanische Nackthund, der Peruanische Nackthund und der Chinesische Schopfhund. Das Auftreten der Nacktheit geht auf Mutationen zurück. Auslöser ist eine 7-bp Duplikation. Diese wurde nachgewiesen im FOXI3-Gen. Die Vererbung der Nacktheit erfolgt dominant. Es reicht also aus, wenn bei einem Wurf eines der Elternteile über die Mutation verfügt, um diese an die Nachkommen weiterzugeben. Es hat sich gezeigt, dass Tiere, bei denen die Mutation von beiden Eltern vererbt wird, bereits im pränatalen Stadium versterben.

Auffällig ist, dass bei Tieren, die über die genannte Mutation auf dem Gen verfügen, auch eine sehr hohe Inzidenz in Bezug auf die Zahnanomalien zu finden ist. Auch Todesfälle bei den Züchtungen treten vergleichsweise häufig auf. Aus der Kombination von Elterntieren mit und ohne mutiertem Gen, können auch Varianten mit dem Namen „Powder Puff“ hervorgehen. Diese sind mit einem leichten Haarschleier versehen und weisen eine geringere Sterblichkeit vor der Geburt auf.

Video: Grundlagen der Genetik – Gentechnik / Bayerischer Rundfunk

Was ist unter dem Phänotyp zu verstehen?

Im Rahmen einer Mutation wird immer wieder auch von einem Phänotyp gesprochen. Hierbei handelt es sich einfach um das äußere Erscheinungsbild. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Genotyp. Der Genotyp beschreibt die Gesamtheit, die alle Erbanlagen von einem Organismus zu bieten haben. Interessant ist, dass natürlich auch der Genotyp einen Einfluss auf das Aussehen von einem Organismus hat. Es handelt sich hierbei jedoch um Einflussfaktoren, die nicht zu sehen sind. Der Phänotyp beschreibt dagegen genau das, was man erkennen kann. Ist der Hund braun oder schwarz? Die Farbe ist der Phänotyp. Ein Züchter gibt diesen Fakt auch immer wieder an, um festlegen zu können, welchem Erscheinungsbild ein Tier angehört.

Die Einschätzung der Qualität durch Tests

Zuchtverbände sind stark darauf ausgelegt darauf zu achten, dass die Züchter klare Vorgaben erhalten, um möglichst Tiere von hoher Qualität zu züchten. Hier gibt es verschiedene DNA-Tests, durch die Mutationen schnell erkannt werden sollen. Diese Tests dienen auch dazu einschätzen zu können, wie hoch die Qualität von einem Hund ist.

Für einen Züchter kann es problematisch werden, wenn seine Tiere als Träger von Mutationen ausgewiesen werden. In diesem Fall muss überlegt werden, inwieweit die Tiere für die Zucht überhaupt eingesetzt werden können. Gerade in Bezug auf reinrassige Hunde ist es schwierig, Tiere mit Mutationen immer außen vor zu lassen. Dies kann dazu führen, dass der Genpool stark schrumpft und die Rassehunde sehr hohe Anfälligkeiten in Bezug auf Krankheiten aufweisen. Das heißt, nicht immer werden Tiere mit einer Mutation durch die Zuchtverbände ausgeschlossen. Sie können auch eine Veränderung im Genpool mit sich bringen, die einen positiven Einfluss auf diesen haben kann.


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